Kleinvieh macht auch großen Mist

Zeit für ein Lebenszeichen. Ja, mich gibt´s noch. Ja, ich habe Pläne geschmiedet… und Nein, laufen kann ich derzeit nicht. Obwohl ich das eigentlich im Hinblick auf den IATf K65 Ende April sollte…

Zipperlein – wir kennen sie alle. Wenn man Glück hat, schauen sie nur kurz vorbei, sagen „Hallo“, ärgern einen für ein paar Tage oder Wochen und ziehen dann wieder von dannen. Schnell findet man die nötige Mobilitätsmaßnahme und „Schwupp – weg“ – als ob nichts gewesen wäre. Es gibt jedoch auch jene Zipperlein, die sich einnisten. Nicht mehr gehen wollen. Sie fühlen sich wohl in unserem Körper, ärgern uns mal mehr und mal weniger. Selbst denkt man: „immerhin – Laufen geht ja. Zwar bin ich von Unbekümmertheit weit entfernt, die Schmerzen sind jedoch aushaltbar“. „Kann ja dann nicht so schlimm sein. Ergo, ich mache weiter“. Die Schmerzen werden nicht schlimmer – aber auch nicht besser.

Nach Wochen in diesem Zustand ist von „lockerem und unbeschwertem Laufen“ nichts mehr übrig. Vor jedem Lauf, währenddessen und danach immer dieselben Gedankenkreisel. Hält der Fuß heute? Wie stark und wie lange ziept die Achillessehne? Wie schnell meckert der Piriformis und die Hamstrings? Wie stark oder wie schwach werden die Schmerzen werden? Wann geht das endlich wieder vorbei? Welche zusätzlichen therapeutischen Maßnahmen kann ich noch machen? Dehnen, Mobilitätsübungen, Faszienmassage, tiefe Hocke, Kinesiotape, Bandagen, Schüßler Salze, Globuli (Selbst in der Frühschicht stehe ich extra dafür noch früher auf als sonst, damit ich meine Übungen machen kann). Habe ich alle Möglichkeiten ausgeschöpft? Wann greifen diese denn endlich?

Ehe man sich versieht, steckt man in einer ernsten Laufkrise. Die Lust am Laufen schwindet und der Frust wächst mit dem  Schmerz, Ungeduld macht sich breit. Es wird womöglich Zeit, doch die Reißleine zu ziehen. Eine Zwangslaufpause einzuleiten. Nur wann ist der richtige Tag dafür angebrochen? Soll ich doch noch mal abwarten oder gleich die Notbremse reinhauen, ohne Rücksicht auf (Form)verluste? Eigentlich wollte ich doch im Frühjahr mal wieder einen Ultratrail laufen! Aber unter diesen Umständen macht das doch erstens überhaupt keinen Sinn und zweitens überhaupt keinen Spaß.

In diesem Dilemma stecke ich. Seit wann ganz genau kann ich nicht mal sagen. Beziehungsweise seit wann aus anfänglichen zarten Zipperlein ausgewachsene körperliche Probleme wurden, die eine Laufpause erforderten. Mein Piriformis quält mich zart bestimmt schon seit mindestens einem Jahr. Gleich mit betroffen: die Hamstrings. Irgendwann im Sommer fing dann die linke Achillessehne an, rumzumuckern. Ich habe es nicht bewußt mitbekommen. Oder habe ich es nicht wahr haben wollen? Wahrscheinlich von beidem etwas… zu sehr war ich damit beschäftigt, mich aus meiner mentalen Erschöpfung raus zu laufen. Diese mentale Erschöpfung zu überwinden hatte für mich die alleroberste Priorität. Auch mit Kollateralschaden, wenn es denn nötig wäre. Immerhin ist mir es mir gelungen, die mentale Krise hinter mich zu bringen 🙂

Nun stehe ich vor der nächsten Herausforderung: meinen Laufapparat wieder in Gang zu bekommen. Ein heftiger grippaler Infekt half mir dabei, die Beine still zu halten. Eine deutliche Besserung ist eingetreten. Die Achillessehne muckert aber immer noch morgens nach dem Aufstehen. Lange nicht mehr so stark wie noch vor drei Wochen, aber weg sind die Anlaufschmerzen eben auch noch nicht. So werde ich mich nun weiter in Geduld üben. Vom K65 in Innsbruck habe ich mich bereits verabschiedet. In weiser Voraussicht die Flexoption gebucht, welche mir erlaubt, in der Streckenlänge nach unten zu switchen. Ich hoffe, es wird der K42, wenn alle Stricke reißen bliebe mir noch der K25 oder der K15. Und wenn läuferisch in Innsbruck für mich gar nichts geht, dann werde ich meine sämtliche Energie darauf verwenden, Katja bestmöglich bei Ihrem Ritt rund um die Stadt zu supporten.

Nächste Woche habe ich nun einen Termin beim Orthopäden. Seit dieser Woche war der Infekt soweit überstanden, dass ich wieder ins Wasser konnte. Schwimmen ist schön, es macht mir auch Spaß – aber es ist kein Ersatz für das Laufen auf Dauer. Schwimmen ist für mich Ergänzung und Ausgleich zum Laufen. Die Zeiten, in denen Schwimmen meine sportliche Leidenschaft war, sind vorbei. Anschließendes Laufen und Hüpfen nach der Schwimmeinheit im Wasser tut der geschundenen Sehne gut.

Heute wagte ich ein kurzes Läuflein. Die Neugier war groß und die Nervosität und Aufregung noch viel größer. Positiv ist, dass die Laufpause von drei Wochen durchaus Wirkung zeigte. Die Beschwerden sind deutlich weniger geworden. Und ich wollte meinen Beschwerdestand abfragen, damit ich kommende Woche dem Arzt mehr Feedback geben kann. Aber allergrößte Vorsicht ist noch geboten.

Trotz alldem habe ich läuferische Pläne für dieses Jahr geschmiedet und zum Teil auch schon Nägel mit Köpfen gemacht. Die wichtigste Lektion für mich war jedoch nun, erstmal wieder mit kleinen Brötchen anzufangen. Nicht gleich wieder die große Herausforderung zu suchen. Denn es zeigte sich in den letzten Monaten schnell, dass der mentale Druck in Bezug auf den K65 Ende April, verbunden mit der Verletzung, mir zu groß wurde und ich solchen Druck auch in kommender Zeit nicht brauche. Die Rekonvaleszenz von meiner mentalen Erschöpfung scheint noch nicht vollständig abgeschlossen zu sein.

Auch kleinere Brötchen zu Backen kann läuferisch äußerst attraktiv sein. So steht für dieses Jahr schon fest der Short Trail über 38k beim Salomon Capadoccia Trail Mitte Oktober im Kalender und einen Monat später, Mitte November, die Marathondistanz beim Haria Extreme auf Lanzarote. Und ich bin mir ganz sicher, dass bis dahin die „Achilleskrise“ längst überstanden sein wird. Für Innsbruck gilt: Daumen drücken!

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6 Kommentare

  1. Mach dir kein Stress wegen irgendwelchen Laufterminen

    Hatte Anfang letzten Jahres ähnliche Probleme: hintere Oberschenkel dauernd verhärtet trotz dehnen und Faszienrolle.Nach einem schnellen Berglauf wars dann rum mit laufen, danach 12x Physio bis sich etwas gebessert hat.Letztendlich haben die Dehnübungen aus dem Buch von Kelly Starrett(Ready to Run) geholfen.Besonders den Couch Strech mach ich regelmäßig.
    Hat gut 8 Wochen gebraucht bis ich wieder ins Laufen einsteigen konnte.
    Sei geduldig mit dir – du packst das schon.

    1. Die Geduld aufzubringen ist für mich ja immer die größte aller Herausforderungen 😇

      Kelly ist Klasse. Er hat mir schon oft weiter geholfen. Ready to run darf mMn in keiner Läufer Bibliothek fehlen.

      Ich hoffe der Termin beim Sportmediziner bringt mich weiter.

      Yep, die Zeit wird es richten!

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