Run the world: Menorca

Stille – viel Stille, ein bisschen Wind. Wälder an der Südküste, Buschland an der Nord- und Ostküste, von Fels geprägte Kargheit im Westen. Unzählige türkisblaue Sandbuchten, welche nur zu Fuß erreichbar sind. Steinmauern mit einer geschätzten Gesamtlänge von 11.000 km, obwohl die Insel gerade mal max. 20km in der Breite und max. 50km in der Länge mißt. Kein dominantes Gebirge, aber so richtig flach ist es auch nirgends wirklich. Der höchste Berg der Insel, der Monte Torro, schlägt mit 362m zu Buche. Da Menorca, die kleine Schwester Mallorcas, lange vergessen und links liegen gelassen blieb, hat sie die oft fragwürdige touristische Entwicklung ihrer großen Schwester verschlafen. Ursprünglichkeit und Naturbelassenheit prägen daher die Insel deutlich und machen sie mit dem 2011 eröffneten Fernwanderweg GR223, der Cami des Cavalls (der „Pferdeweg“), zu einer Perle für Trailrunner.

Der GR223 umrundet einmal komplett die ganze Insel und ist 185km lang. Es war sehr beeindruckend, wieviel unterschiedliche Gesichter dieser Wanderweg hat. Letztendlich spiegelt er die Vielfalt der Insel wieder. Zugleich wird einem auch deutlich unter die Füße vor Augen geführt, das sich hoher technischer Anspruch auch auf relativ ebenem Gelände wohlfühlt. Stürze sollte man tunlichst vermeiden, denn butterweichen Untergrund findet man nur an den Sandbuchten. Scharfkantiges Gestein, unnachgiebig. Grober Schotter, der keinen Fehltritt zulässt. Jeder Schritt erfordert höchste Aufmerksamkeit. Hier nur ein kleines Anschauungsbeispiel:

Weiterhin gilt zu beachten, das man meistens sehr einsam und ab von der Zivilisation unterwegs ist. Es gibt keine Refugios (Schutzhütten) und Bäche oder Quellen sind sehr rar gesät. Da es viel Weidevieh gibt, würde ich diese Möglichkeit zur Flüssigkeitsversorgung unterwegs meiden. Daher gilt, immer ausreichend Proviant mitzuführen. Unsere Base siedelten wir an der Nordküste der Insel, auf der Halbinsel von Fornells, an. Die (Auto)wege sind kurz und so konnten wir mit nur wenig Fahrzeit viel von der Insel sehen und erlaufen. Der GR223 ist so gut markiert, sogar die Markierungspfosten sind auf den einzelnen Etappen des Fernwanderweges durchnummeriert. In den urbanen Gebieten klebt alle Nase lang die rot/weiße Markierung an Straßenlaternen oder Verkehrsschildern. Oder es finden sich die klassischen Richtungsschilder. Der Wanderweg an der Südküste entlang zwischen Cala Mitjana und Platges des Binigaus war mit einfachen Holzpfosten markiert. Es gibt mehrere organisierte Laufveranstaltungen auf der Insel, bei denen der GR223 in voller Länge oder in Teilen gelaufen werden kann.

Cami de Cavalls – Ultra Menorca (185k, 100k, 85k, 55k oder 37k) – Mai

Epic Cami de Cavalls 360° – ein Etappenrennen über 3 Tage, entweder läuferisch (157k, 103k) oder mit dem MTB (197k) – März

 

Nordküste: Cala Tirant – Ciutat romana de Sanitja – Platges de Fornells – Fornells

Zunächst einmal galt es, eine Erkundungstour rund um unsere Base zu unternehmen. Der GR223 führte uns von der Cala Tirant bis zur Ciutat romana de Sanitja, eine römische Ausgrabungsstätte. Dort drehten wir einfach wieder um und liefen retour. Keinesfalls langweilig, denselben Weg, den wir gekommen waren, wieder zurück zu laufen. Wir entdeckten trotzdem Neues und das Licht eröffnete andere Aspekte. Dann ging es weiter, die Halbinsel Fornells zu umrunden. Hier konnten wir die ältesten Gesteine Menorcas bestaunen. Und den Torre de Fornells. Die Küstenstraße entlang der Badia de Fornells mit tollen Ausblicken brachte uns bis Ses Salines, wo wir abermals auf den GR223 stießen, welcher uns zurück nach Platges de Fornells brachte.

Hier geht´s zum move: 20k mit 360HM

Torre de Fornells

Südküste: Cala Galdana – Platges de Binigaus

Türkisfarbene Buchten (Cala Galdana, Cala Mitjana, Cala Trebalúger, Cala Fustam, Cala Escorxada), stille Wälder, Uferfelsen. Zurück dem GR223 folgend, wellig durch Wälder, Ackerland und die Durchquerung des Barranco de Trebalúger. Eine sehr beeindruckende und schöne Runde. Landschaftlich völlig anders als die Tour am Vortag an der Nordküste!

Hier geht´s zum move: 20k mit 570HM (Zielpunkt=Startpunkt. Das StartGPS ist etwas verrutscht 😉 )

Nordküste: Binimel.lá – Els Alocs

Meine Lieblingstour. Der Cami de Cavalles erreicht hier seinen höchsten Punkt: 140m. Wir liefen an traumhaften Buchten vorbei und durch ein geologisches Bilderbuch. Rote Erde und Steine, schwarze Erde und Steine, weiße Steine, fruchtbares Grün im Landesinnern. Blühendes Heidekraut und Mastixsträucher. Der Trail tanzte in stetigem Auf und Ab durch diese Farbenpracht. Beeindruckende Weitblicke entlang der nördlichen Küstenlinie. Der Rückweg derselbe und doch völlig anders. Wenn dort mein Zuhause wäre – ich würde nie und nimmer müde werden, diesen Trail zu laufen! ❤

Hier geht´s zum move: 19k mit 840HM

Ostküste: Es Grau – Cap de Faváritx

Wieder eine Hin-und auf dem selben Weg zurück-Tour, entlang der Ostküste durch den Parc natural de S´Albufera des Grau. Im Auf und Ab über Hügel, durch Buchten entlang, der Torre de Rambla, tristes Acker- und Weideland, Buschland und ein Leuchtturm, der auf dem bizarren mondgleichen Cap de Faváritx treu seinen Dienst leistet.

Leider hatte ich mir bereits bei km 6 auf dieser Runde – und natürlich ausgerechnet in vermeindlich „leichten“ Gelände – den Knöchel verstaucht. In leichtem bergab, auf einem grob schottrigen Wegabschnitt, mit vollem Karacho mit dem rechten Fuß umgeknickt. Schnell, innerhalb weniger Minuten, schwoll der Knöchel an und die Beule erreichte die Größe eines Ei. Auftreten konnte ich noch gut, die Schmerzen hielten sich in Grenzen und ich entschied mich, nicht umzukehren sondern humpelnd und mit großer Vorsicht weiter zu wandern. War ja immerhin unsere letzte Hike&Run Tour auf der Insel. Bitte nicht nachmachen! Ich hatte zwar mehr Glück als Verstand, aber zu oft sollte man sein Schicksal in solch einer Situation wohl nicht herausfordern. Meinem Papa passierte letztes Jahr das Gleiche – Auftreten kein Problem, keine Schmerzen – ja nicht mal eine Schwellung. Dafür kam es dann in der folgenden Nacht zum Schmerzgau im Fuß und die Diagnose lautete damals für ihn „Bänderriss“.

Auch wenn ich die Tour nicht in vollen Zügen genießen konnte, so war sie doch sehr schön!

Hier geht´s zum move: 20k mit 450HM

Ciutadella, Punta Nati, Pont d ´en Gil, Monte Torro, Cap de Cavalleria und Mahón

Ein wenig Bummelei und Sightseeing musste natürlich auch sein, Pausentage wollten sinnvoll genutzt werden 😉 So verschlug es uns in die beiden größten Städte – im Westen Ciutadella (Hauptstadt bis Mitte 18. Jahrhundert) und im Südosten Mahón, die heutige Hauptstadt. Sie hat den zweitgrößten Naturhafen der Welt. Mit dem Auto ging es auf den höchsten Berg (zum ersten dem geschundenen Knöchel geschuldet und zum zweiten kommt man auch zu Fuß nur über die Straße hoch). Der nördlichste Punkt der Insel, das Cap de Cavalleria und dann noch im kargen Westen Pont d´en Gil und Punta Nati.

Cap de Cavalleria

*klick* auf die Bilder zum vergrößern.

Mehr Hintergrundwissen über die Insel gibt es hier.

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