Im Wanderfieber auf dem Rössleweg

Der Rössleweg ist ein Rundwanderweg, welcher auf einer Gesamtlänge von 54k einmal komplett die Landeshauptstadt Stuttgart umrundet. Wälder im Westen und Weinberge im Osten gepaart mit kurzen urbanen Abschnitten prägen den Weg. Unter den lokalen Ultraläufern ist der Rössleweg eine beliebte Trainingsrunde.

Auch ich spielte seit einem Jahr mit dem Gedanken, den Rössleweg mal in seiner vollen Länge zu Laufen. Aus verschiedenen Gründen konnte ich mich bisher noch nicht so richtig dazu aufrappeln. Da mein Vater und ich gemeinsam letzte Woche Urlaub hatten und das Wetter in den Alpen uns nicht so ganz überzeugte, um dort einer Genusswanderung nachzugehen, kam mir die Idee, zuerst einmal einen Teil des Rösslewegs wandernd zu erkunden. So entschieden wir uns, von S-Zuffenhausen im Norden westwärts und gegen den Uhrzeigersinn bis nach S-Obertürkheim im Südosten zu wandern (siehe gelb markierte Strecke)

Irgendwo im Netz hatte ich einen GPX-Track über die östliche Teilstrecke gefunden (Nicht gelb hinterlegt), welcher mit 23k angegeben war. Damit ergaben sich dann bei 54k Gesamtlänge gute 30k für den restlichen – und somit unseren zu wandernden – Teil der Strecke. Diese Zahlen hatte ich zumindest im Kopf. Wir fuhren mit der Bahn bis nach S-Zuffenhausen und fanden unweit der S-Bahn-Haltestelle auch schon den Rössleweg. Von dort ging es durch den Wald über den Schelmenwasen zum Lemberg, der erste Weinberg, den wir passieren sollten. Am Abstieg des Lemberg hinunter nach Weilimdorf befand sich das Kotzenloch

Weiter ging es durch den Wald und über Forstautobahnen hoch zur ehemaligen Burg Dischingen, zur Stroheiche und über die Römerstrasse zur Hohen Warte und den Heimberg hinab ins Feuerbacher Tal. Durch den Kräherwald zwischen Botnang und Häslach und über den Botnanger Sattel hoch zum Birkenkopf, auch Monte Scherbelino genannt. Dort wurden die Trümmer der zu 45%  zerbombten Stuttgart nach dem 2. Weltkrieg und dem Wiederaufbau zwischen 1953-1957 aufgeschüttet, so dass der Berg um 40m wuchs. Den Birkenkopf ziert ein Gipfelkreuz und er bietet eine großartige Aussicht in die Stadt hinunter.

Die Bürgerallee und der Dachswaldweg führten uns hinab ins Kaltental und die Schwälblesklinge wieder hinauf nach Sonnenberg und weiter nach Degerloch. In Degerloch querten wir die Alte und Neue Weinsteige, der Haigst bot einen schönen Ausblick hinunter in die Stadt. Dort kann man einen guten Eindruck der „Kessellage“ von Stuttgart bekommen. Der Rössleweg führte uns unterhalb des Bopser und dem Fernsehturm nach Gablenberg. Hier gab es jede Menge Sportplätze. Allerdings fiel unser geplantes Kaffee+Kuchen Gedeck den werktäglichen spärlichen Öffnungszeiten der Sportheime zum Opfer. Ziemlich genau nach 6h und ca. 30km um 15.00 Uhr am Nachmittag wäre dies eine schöne Stärkung gewesen…

Hmmm…. so langsam taten sich in mir Zweifel auf, ob die Distanzangaben in meinem Kopf wirklich der Realität entsprachen. Wenn wir nun schon knappe 30k auf der Uhr hatten, würde das wohl mit den guten 30k bis Obertürkheim nicht so ganz hinhauen. Ich war gespannt, wieviel Kilometer es denn dann am Ziel wirklich werden würden…

Wir stapften einfach weiter und verschoben unser Kaffeekränzchen auf unsere Ankunft am Ziel. Endlich hatten wir den Wangener Berg erreicht. Die Zeit lief und lief…. mittlerweile hatte Katja bereits Feierabend und wir waren noch weit weg von der S-Bahn. Also nix mit Treffen in der Bahn in Esslingen und gemeinsam nach Hause fahren. Der Wangener Berg zog sich und die Wegführung des Rössleweg hatte noch einen extra Schlenker in petto. Schön, wirklich sehr schön und interessant, da es durch den Weinberg ging. Die Reben boten Fruchtstände, mit prallen Weinbeeren, so wie ich sie noch nie gesehen hatte. Hier hatten wir die optimale Zeit erwischt. Aber die süßen Früchte konnten nur bedingt darüber hinweg helfen, dass meinem Papa und mir die Fußsohlen mittlerweile ordentlich vom hohen Asphalt- und Forstweganteil der Strecke qualmten und von unserer Wanderlust auch nicht mehr allzu viel übrig war. Und klaro, es kam wie es kommen mußte – einen kleinen Verlaufer fügte ich unserer Agenda dann auch noch hinzu. Endlich kamen wir hinunter nach Hedelfingen und mussten nur noch die Bundesstraße, den Neckar und ein Daimlerwerk queren bis wir nach ca. 8,5h gegen 17.30 Uhr die S-Bahn Station in Obertürkheim erreichten. Den Kaffee schenkten wir uns und wir waren froh, dass wenige Minuten nach Erreichen des Bahnhofs auch schon die S-Bahn einfuhr und uns nach Plochingen brachte, wo wir zeitnah in die Bahn nach Nürtingen umsteigen konnten. Am Ende standen doch tatsächlich 39k und 770HM auf der Uhr…

Fazit: Der Rössleweg ist vorbildlich markiert – ausser in den urbanen Abschnitten. Hier wären wir wohl ohne GPX-Track ziemlich aufgeschmissen gewesen. Die Highlights waren der Lemberg, das Kotzenloch, der Weinberg an der Hohen Warte, der Birkenkopf, die Schwälblesklinge, der Ausblick am Haigst in Degerloch und die Reben am Wangener Berg. Ansonsten muss man sich auf über 90% befestigte Wege einstellen. Das haut die Knochen ganz schön zusammen. Als ich in Nürtingen aus der Bahn stieg, war ich der festen Überzeugung, dass ich die nächsten Tage wohl von einem ordentlichen Muskelkater in den Oberschenkeln heimgesucht werden würde – dieser blieb jedoch aus (Memo an mich: meine Basis ist ordentlich). So richtig Begeisterung kam in mir nicht auf und ich bin mehr als froh, dass ich den Rössleweg nicht für einen self-sufficient Ultralauf gewählt habe. Da gefällt mir mein heimisches Revier doch etwas besser. Irgendwann im tiefen Herbst oder Winter werden uns noch den Rest des Weges erwandern. In diesem Sinne – Fortsetzung folgt!

Großer Dank geht an meinen Papa, dem besten Wanderbegleiter ❤ Ohne Mucken und Murren mit über 70 noch so ein Ding rauszuhauen – big respect!

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