Im schwäbischen Grand Canyon

Endlich war wieder die Zeit gekommen, um weitere Touren im Naturpark Obere Donau zu checken. Unsere Base befand sich wieder in Beuron. Beuron selbst hat ausser dem Kloster, einer sehr heimeligen Pension und Ruhe nichts zu bieten. Es gibt eine Einkaufsmöglichkeit (Der Klosterladen) und zwei Cafés, die längstens bis 19.00 Uhr am Abend geöffnet haben. Darauf sollte man eingestellt sein. In Fridingen, welches knapp 10 Autokilometer entfernt liegt, kann man den Bedürfnissen des täglichen Lebens jedoch ausreichend nachkommen.

Der Wetterbericht verhieß Dauerregen über das gesamte Wochenende. Aus diesem Grund wanderten zuzüglich zu Trailschuhen auch je ein Paar Straßenlaufschuhe für uns mit ins Gepäck. Für den Fall der Fälle, sollten wir keine Lust auf eine längere Trailtour haben um dann lieber ins Alternativprogramm zu wechseln: ein paar Kilometer auf dem Donau-Radweg zu schrubben und im Anschluss auf Sightseeingtour in Sigmaringen zu gehen. Abermals und wie so oft für diesen Sommer bewahrheitete sich die Wettervorhersage nicht. Besser ist das, wenn man mit geringen Erwartungen los geht. Die Chance, dass diese dann (weit) übertroffen werden, sind hoch.

Für uns war es das Beste, was uns hatet passieren können. Kühle Temperaturen und ein weitestgehend bedeckter Himmel, ohne einen einzigen Regentropfen. Sogar die Nacht blieb trocken von oben. Traumhafte Bedingungen um unterwegs zu sein! Hatte ich noch drei Tage zuvor meinen letzten „Hitzelauf“ für den diesjährigen Sommer hinter mich gebracht. Ich gebe zu, ich hatte es nochmal genossen (dies ging jedoch nur mit dem Wissen, dass der Hochsommer 2017 seinen Abschied nahm). Im August hatte mir doch recht häufig die Schwüle und Hitze – nicht nur beim Laufen – unangenehm zugesetzt.

Umso mehr freuten wir uns am Samstag morgen, dass es keinen Dauerregen gab und wir uns auf den Trails im Schwäbischen Grand Canyon austoben konnten. Ein kurzer Blick auf die Karte genügt, um das Potenzial dieser schönen Gegend zu erkennen:

Seit gefühlter Ewigkeit waren wir im Langarmshirt und 3/4 Tight unterwegs. Dieses Mal bewegten wir uns von Beuron aus in nordöstlicher Richtung – flußabwärts. Im vergangenen Juli waren wir auf unserer Samstagstour in südwestlicher Richtung unterwegs – flußaufwärts.

Bereits nach 300m vom Start an unserer Pension (direkt am Bahnhof) waren wir im Wald und weitere 200m später auf dem Trail, der uns auf die Höhe führte. Same way wie im Juli. Aber nur bis km 2. Dann begann für uns unbekanntes Terrain. Ich war zwar bereits vor vielen Jahren dort schon unterwegs, beim Wandern mit meinem Papa, aber die Erinnerungen an damals sind weitestgehend verblasst und nur Marker wie Burg Wildenstein oder Schloß Werenwag sind noch als Bilder im Kopf da. Vorbei am Petersfelsen und Paulusfelsen, erreichten wir den ersten Ausblick: der Altstadtfels. Es gibt unzählige Felsköpfe dort im Schwäbischen Grand Canyon, und viele – die meisten – sind geschützt und daher nicht zugänglich. Mal auf markiertem Wanderweg/Trail, mal auf Trails abseits Markierungen gelangten wir zur Burg Wildenstein (diese wird als Jugendherberge bewirtschaftet). Von dort ging es über den Bandfelsen zum Hohlen Fels, welcher sich direkt gegenüber von Schloß Werenwag befindet und einen tollen Ausblick auf selbiges liefert. Mal mehr und mal weniger wellig ging es auf der Höhe, meistens bewaldet, entlang. Kurze, steile und oft technisch anspruchsvolle Abstiege in Tobel hinab, auf der anderen Seite wieder hinauf wechselten sich mit lieblichen Wiesentrails durch Aufforstungen oder über die Höhen des Tales ab. Und immer wieder Möglichkeiten, um Aussichten zu genießen. Einen Abstecher zum Bischofsfelsen nahmen wir noch mit. Eigentlich sollte uns dort in der Nähe ein Trail hinab ins Tal führen, um die Donau bei Langenbrunn zu queren. Sturmschäden aus den vergangenen Jahrzehnten sind jedoch die Ursache, dass ein dortiger Trail oben an der Kante zwischen Hohlem Fels und Bischofsfels zwar derzeit noch laufbar ist, der Abstieg jedoch bereits nach wenigen Metern nur noch zu erahnen war. Diese Wege werden nicht mehr gepflegt und äusserst wenig begangen. Der Kantentrail war wunderbar, vom (ungewissen) Abstieg liessen wir jedoch die Finger Füße weg. So liefen wir auf dem markierten Weg ein Stück zurück, bis wir an den offiziellen Abzweig hinunter zum Donausteg bei Langenbrunn kamen. Dort eröffnete sich übrigens dann auch die Erkenntniss, woher der Hohle Fels seine Benennung hat. Über den Donausteg und weiter stiegen wir links unterhalb von Schloß Werenwag wieder auf und statteten dem Korbfelsen, welcher sich wenige hundert Meter westlich vom Schloß befindet, einen Besuch ab. Schloß Werenwag selbst ist in Privatbesitz und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Nach dem Korbfelsen ging es für uns abermals hinunter ins Finstertal und von dort wieder hinauf zum Eichfelsen. Dieser bietet einen atemberaubenden Blick ins mäanderte Tal, und spätestens dort weiß man, dass dieses Flußtal zu recht den Beinamen „Schwäbischer Grand Canyon“ hat. Vom Eichfelsen aus liefen wir über den Rauhen Stein bis zum Spaltfels, welcher zum Abschluß einen schönen Blick auf Beuron bot. Nun war sogar die Sonne ein wenig durch die Wolken gedrungen. Mit der Vorfreude auf Kaffee und Mandelhörnchen stürzten wir uns in den letzten Downhill des Tages. Ein kleiner, unmarkierter, wunderschöner Singletrail!

Die Runde maß 25k mit 1000HM. Zur Nachahmung empfohlen 🙂 Hier geht´s zum move…

 

Am Sonntag brachen wir bei lockerer Bewölkung noch zu einer kleinen Wanderung auf mit Start in Thiergarten. Dirket am Parkplatz erfolgte der Aufstieg über den Bröller hoch zum Rabenfelsen. Auf den ersten 5 Kilometern begleitete uns eine musikalische Unterhaltung in Form von Blasmusik, welche Songs aus den Charts und Rockklassikern zum Besten gab. Das war wirklich sehr amüsant! Nach dem Rabenfelsen erwischten wir an einer etwas unübersichtlichen Wanderwegkreuzung eine alte Wegführung des HW2, welche jedoch nicht mehr gepflegt wird. Dies war uns aber egal, denn so lange wir voran kamen, gab es keinen Grund, wieder umzudrehen. Über einen unmarkierten Trail erfolgte der weitere Aufstieg, und schon bald waren wir wieder auf dem markierten Weg unterwegs. Hinab ins Kohltal und wieder hinauf zum Teufelslochfelsen, gelegen auf dem Gutensteiner Berg. Ein schöner Downhill, zu schade zum Wandern und viel besser zum Laufen, führte uns hinab nach Gutenstein. Wir blieben auf der Seite und querten nicht über die Donau. Stattdessen nahmen wir den kurzen Aufstieg hoch auf den Kreuzfels und von dort aus weiter auf markiertem Wanderweg „Donaufelsengarten“ wieder zurück zum Rabenfelsen. Angekommen auf dem Kreuzfels, zogen sich in windeseile die Wolken zu und es begann erst sachte zu tröpfeln, dann, nicht mal eine Minute später, schüttete es wie aus Kübeln. Unserem Spaß tat dies keinen Abbruch. Wir nahmen unsere Trailbeine in die Hand und genossen den ersten Regentrailrun seit Ewigkeiten. Glücklicherweise blieb der Wind aus, sonst wäre es womöglich doch noch etwas unangenehm geworden. Zum Glück regnete es nur noch leicht, als wir nach 13k und 500HM wieder am Auto ankamen. Im Starkregen sich unter der Heckklappe des Autos umziehen zu müssen mögen wir nämlich beide nicht 😉

Hier geht´s zum move

Ja, wir haben den Schwäbischen Grand Canyon tief in unser Herz geschlossen. Und genau deshalb freuen wir uns auf weitere Abenteuer dort! To be continued…

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