Kleine Flucht mit großer Wirkung – unterwegs im Naturpark Obere Donau

 

Vergangenes Wochenende befanden sich Katja und ich auf der Flucht. Wir waren genötigt, aus unseren eigenen vier Wänden zu fliehen. In Nürtingen wurde das zweijährlich stattfindende Neckarfest gefeiert. Und da sich unser Heim inmitten des Festgeländes befindet, hatte ich bereits vor vier Jahren bei der Premiere des „neu erfundenen“ Stadtfestes beschlossen, an diesen Wochenenden auf gar keinen Fall mehr zu Hause zu sein. Man darf mir/uns Sensibilität bzw Mimöschentum gerne unterstellen. Aber wenn ich in meinen eigenen vier Wänden auf Grund der Geräuschkulisse mein eigenes Wort über Stunden und weit in die Nacht hinein nicht mehr verstehen kann, mich der gegebenen Lärmbelastung in der Wohnung in keinster Weise (nein, selbst der beste Gehörschutz versagt in diesem Fall) entziehen kann, dann hilft nur eine Maßnahme: Köfferchen packen und verreisen. Und genau das taten wir. Gefunden haben wir (nicht nur) eine Trailrunningdestiantion (dazu später mehr), welche wir gerne mit dem Prädikat „Deluxe“ auszeichnen wollen: das obere Donautal, gelegen im Naturpark Obere Donau und als Donaubergland bezeichnet.

Bereits vor Jahren, noch vor meinem Dasein als Trailrunnerin, war ich bereits dort. Zum Wandern mit meinem Guide Papa. Dieser wiederum kam öfters ins Donautal um sich beim Klettern am Fels mit seinen Kumpels auszutoben. Das Donautal ist auch DAS Klettermekka der Schwäbischen Alb. Ich hatte schon noch in Erinnerung, dass das Donautal zwischen Sigmaringen und Tuttlingen beeindruckend ist. Zu Recht gilt es als eines der schönsten Flußtäler in Europa. Schon länger wollte ich mit Katja dorthin. Knappe 100km entfernt von Nürtingen ist das Donautal auch gut für einen Tagesausflug geeignet. Jedoch hatten wir es bisher nicht geschafft dorthin zu „tagesausflugen“. Und so wurde aus der Not heraus die Idee geboren, als sicher war, dass und vor allem wann das Neckarfest 2017 stattfinden würde, doch eben genau das obere Donautal als Weekendtrip für dieses Wochenende zu nutzen. Schnell war eine Unterkunft für zwei Nächte gefunden, welche sich als ausserordentlicher Glücksgriff mit hohem Wohlfühlfaktor herausstellte und noch dazu günstig daher kam. Das sich das Tal dann jedoch als so schön und wertvoll darstellte, wagte ich kaum zu glauben. Und noch mehr: wir haben unsere Insel gefunden! Unsere Insel für die kleinen Fluchten aus dem Alltag. Nah um sie gut und ohne viel Aufwand auch noch Freitag nach Feierabend zu erreichen und doch fern genug, um Urlaubsfeeling und noch wichtiger, sofortige Entschleunigung  und einen starken Kontrast zum wuseligen Neckartal zu erfahren. Unser Entschluß stand bereits am Samstag morgen fest und wurde beiderseits unabhängig voneinander getroffen: hierher werden wir regelmäßig kommen um unsere Art und Weise der Wellness und Qualitytime zu zelebrieren. Das wiederum bedeutet, das wir noch ganz viel Gelegenheiten bekommen werden, diese Gegend auch im Weitläufigeren das ganze Jahr über zu erkunden.

Gleich mehrere Premiumwanderwege durchziehen das Flußtal mit seinen zahlreichen Felsformationen und das umgrenzende Bergland. Als da wären der HW2 (Hauptwanderweg 2 des Schwäbischen Albvereins welcher quasi das Pendant zum HW1 darstellt). Der HW1 (auch als Albsteig bekannt) verläuft an der Nordkante der Schwäbischen Alb, der HW2 markiert den Südrand der Schwäbischen Alb. Dann gibt es noch den Donauberglandweg, den Donau-Zollernalb-Weg, die „Donauwellen“, das Laucherttal, die Hochalbpfade und die Traufgänge sind in der Nähe bzw liegen an der Fahrstrecke. Und wenn mal alle Stricke reissen und wir keine Lust auf halsbrecherische Trails haben dann können wir uns auch läuferisch auf dem Donautal-Radweg austoben. Die Beschilderung und Markierung der Wege ist mehr als ausreichend vorhanden. Spannend wird es dann zunehmend im Verlauf der Zeit, wenn wir uns als „Locals“ fühlen dürfen und auch die zahlreichen Pfade abseits der Markierungen und Beschilderungen kennen. Der Weg wird das Ziel sein  😉

Unsere Base befand sich in Beuron. Als wir am Freitag Abend gegen 20.00 Uhr dort ankamen und noch einen kleinen Spaziergang unternahmen, hörten wir nichts ausser dem Zirpen der Grillen. Keine Autos, keine Flugzeuge und selbst die Bahn hatte bereits ihren Fahrbetrieb entlang der Strecke eingestellt. Es war wunderbar. Und in unserer Pension fühlten wir uns auch sofort heimelig.

Unsere Base, Beuron (hinter dem Kloster befindet sich der kleine Ort)

Am Samstag ging es dann nach dem Frühstück auf Tour. Eine für uns beide gesunde Mischung aus wandern und laufen. Die ausbaldowerte Strecke führte uns direkt auf den Berg mit „Alpenblick“ und danach wieder hinunter ins Liebfrauental mit einem kurzen Abstecher zur Lourdesgrotte. Eines ist im Donautal sicher: wo es hoch geht, geht es auch wieder runter. Immer und immer wieder. Also wieder hoch und über Wiesen durch die Ländereien von Schloß Bronnen. Dann zur Ruine Kallenberg und hinab ins Tal um bei der Ziegelhütte die Donau zu queren. Die Ziegelhütte markierte unseren Wendepunkt und lud zu einer kurzen Rast ein nebst der Funktion als Verpflegungspunkt (solche „Verpflegungsstellen“ sind im Tal zahlreich gesät). Dann abermals hinauf, über Laibfels und Stiegelesfels zum Knopfmacherfels. Immer wieder bot die Strecke traumhafte Ausblicke ins Tal hinein oder über das Bergland hinweg. Die Trails sind vom allerfeinsten. Wirklich. Ungelogen. Oft nur handschmal. Ich wage zu behaupten, das der technische Anspruch des Untergrundes sowie der Steilheit der Anstiege oftmals die Trails an der Nordkante der Schwäbischen Alb übersteigt (dies zeigte sich besonders bei der Tour am Sonntag). Bei Nässe wird es dort sicherlich an manchen Stellen richtig knifflig… wir dürfen gespannt sein!

Nun erstmal die Impressionen unserer Runde vom Samstag (wer möchte, kann hier den Track herunter laden):

Am Sonntag starteten wir in Hausen i. Tal, ein Teilort von Beuron, zu unserer Wanderung (ein wenig Laufen konnten wir uns nicht verkneifen – zu schön lag uns die Einladung der Trails zu Füßen). Sogleich ging es sehr steil und handschmal hinauf zur Ruine Schloß Hausen. Kletterer tobten sich am Korneliusfelsen nebenan aus. Dann ließen wir uns von der Markierung des HW2 zu den Steighöfen, dem Mühlefels und den Schaufelsen bis zur Ruine Falkenstein führen. Dort nahmen wir dann den krass steilen dafür recht kurzen Downhill hinab ins Tal um bei der Neumühle auf die andere Seite der Donau zu gelangen. Um die Schaufelsen in ihrer vollen Pracht bewundern zu können (die Schaufelsen gelten mit ihrer max. Felshöhe von 120m zu den höchst aufragenden Felswänden der Schwäbischen Alb), blieben wir unten am Fluß und Radweg zurück nach Hausen i. Tal. Hier geht´s zum Track und folgend die Impressionen:

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