Traditionsrunde am Karfreitag

Darf man denn schon von Tradition sprechen, wenn sich ein Ereignis nur einmal Mal am selben Tag im Jahr wiederholt? Ehrlich gesagt: es ist mir egal, ob erlaubt oder nicht – ich tue es einfach. Denn ich habe beschlossen, das es in meinem Trailrennerei-Dasein eine neue Tradition gibt: ein Trailrun auf Urach´s Höhen am Karfreitag. Und ich habe beschlossen, das auch dieser Beitrag (wie die Chronik am Hohenneuffen) ein fortwährender Beitrag wird, der dann aber nur einmal jährlich Zuwachs bekommt. Ich persönlich finde es sehr interessant, in meinen Trailrun-Annalen immer wieder zu lesen um bestimmte Orte mit ihren völlig unterschiedlichen Stimmungen mir wieder in Erinnerung zu rufen. Mit ein ganz wichtiger Grund für mich, einen Blog zu haben 😉

Karfreitag 2017

Ups – kaum im vierten Jahr meiner Karfreitags-Trailrunning-Tradition angelangt, habe ich sie bereits gebrochen. Ja, ich hatte Lust, auf den Trails von Bad Urach zu laufen. Ungeheuerlich große Lust sogar. Aber nein, ich wollte erstens nicht in aller Herrgottsfrühe los, um die traditionelle Runde in Ruhe laufen zu können, da sie später am Tag von Wanderern überschwemmt werden würde und ich wenigstens noch mit Katja gemeinsam frühstücken und den Vormittag zusammen verbringen wollte (sie hat eine neue Arbeitsstätte und diese beinhaltet auch Arbeit an Feiertagen). Und zweitens: ich war hungrig auf eine lange Kante. Die Traditionsrunde misst ~22k. Erst ein einziges Mal habe ich die 30k-Marke dieses Jahr durchbrochen. Zwei Infekte und private Umstände kamen immer wieder zwischen mich und meine angestrebten >30k Runden. Die ganze Woche überlegte ich mir, wie ich all meine läuferischen Bedürfnisse unter einen Schuh bekommen könnte. Die Traditionsrunde erweitern? Kein Problem, die Möglichkeiten sind mannigfaltig in Urach. Aber eigentlich würde ich ja auch gerne mal wieder am Hohenneuffen vorbei schauen. Ließe sich beides miteinander verbinden? Klaro – mit der Bahn nach Urach und von dort über den Hohenneuffen nach Hause laufen. Bingo! Wie sich herausstellte, war es eine gute Wahl. Die Bahn war voll mit Wanderern, die allesamt an der Haltestelle „Bad Urach Wasserfall“ ausstiegen. Hier wäre die traditionelle Runde losgegangen. Seit 2016 wird das Gebiet rund um den Uracher Wasserfall und den Hohenurach so dermaßen von Wanderern überschwemmt, das ich für mich entschieden habe, dort nur noch entweder unterhalb der Woche und gleichzeitig außerhalb der Schulferien oder an Schlechtwettertagen zu laufen. Es gibt genügend Trails rund um Bad Urach, auf denen man noch in Ruhe unterwegs sein kann. So fuhr ich mit der Bahn bis zur Endhaltestelle am Bahnhof in Urach und fand mich nach nicht mal einem Kilometer laufen bereits auf dem Trail hoch zu den Nägelesfelsen wieder. Auf dieser Seite des Ermstales waren nur wenige unterwegs. Nach 17k purem Trailvergnügen kam ich am Hohenneuffen an. Dort steppte der Bär. Sobald ich aber wieder etwas abseits des Parkplatz-Burg-Hauptstrom war, wurde es auch schon wieder ruhig. Und da es bei mir gut lief, ich noch Lust auf mehr Trails hatte, hing ich die Runde über die Bassgeige noch mit dran. Von dort aus ging es dann über das Tiefenbachtal nach Hause. Am Ende standen 38k mit 1000HM auf der Uhr.

Das schönste Ziel der Welt ist die eigene Haustür 🙂

Karfreitag 2016

Tradition verpflichtet – auch wenn die Häufigkeit für „nass von oben“ auf dieser Runde fast schon ein Garant ist. Aber das tut der guten Sache keinen Abbruch, im Gegenteil, dafür hat man die Garantie auf „wenig los“. Die Runde ist dieselbe wie die letzten beiden Jahre – dazu werde ich mich heute nicht mehr groß äussern. Die Höllenlöcher unterhalb des Sonnenfels sind übrigens wieder offen. Allerdings rate ich dazu, sich dort nicht zu sehr zu verbummeln, denn es hatte letztes Jahr einen Felssturz gegeben. Die Brocken liegen noch rum und beim Anblick wird klar, das man hier nicht allzu lange verweilen sollte. So ein Steinschlag bedeutet den sicheren Tod – selbst ein Helm würde hier rein gar nichts nützen. Für Safety First Enthusiasten gibt es einen Trampelpfad oberhalb der Höllenlöcher herum. Die Aktion am Jusi vor zwei Wochen hat ihre Spuren hinterlassen: Die Gehpassagen an den Anstiegen waren so gering wie noch nie auf dieser Runde. Und – Tataaa! Beide haben wir es geschafft, den (letzten) Anstieg auf die Burgruine Hohenurach komplett hoch zu laufen. Die Bildqualität lässt leider im Verlaufe nach, die Kamera konnte nicht ganz vor Feuchtigkeit geschützt werden.

 

Karfreitag 2015 inkl. Rückblick 2014

Letztes Jahr waren wir auf gleicher Strecke auch am Karfreitag unterwegs. Derselbe Tag, dieselbe Uhrzeit, die gleiche Strecke, jedoch völlig verschiedene Bedingungen. Zum ersten war ich heute allein anstatt mit Katja zusammen unterwegs. Zum zweiten war es heute sonnig, letztes Jahr hatten wir Dauerregen und Schneefall. Zum dritten war ich heute in der ersten Hälfte zwar auch nahezu allein unterwegs, jedoch wurde es dann später, als sich die frostigen Temperaturen der Sonne geschlagen gaben, doch teilweise recht bevölkert. Letztes Jahr hatten wir nur ganz wenige Menschen getroffen. Da es letztes Jahr um diese Zeit meinen Blog noch nicht gab, werde ich am Ende des Beitrages ein paar Impressionen von 2014 einfügen.

Nun aber erstmal zur Strecke: Für mich ist es sicherlich eine der schönsten Runden, welche die Schwäbische Alb zu bieten hat. Gestartet bin ich am Wanderparkplatz Uracher Wasserfall/Hohenurach. Erstmal ins Maisental, vorbei am Gestütshof Güterstein und dann den ersten Anstieg entlang der Gütersteiner Wasserfälle. Ein kleines ruhiges Idyll abseits des Trubels am Uracher Wasserfall und von dort letztlich nur einen Steinwurf entfernt.

DSC01622

Unten an den Fällen

Weiter geht es dann hoch bis auf die Kante unweit des Fohlenhof St Johann.Oben angekommen geht es dann erst mal rechts auf hauptsächlich flowigen Trails und ganz kurzen Forstwegabschnitten zu den Höllenlöchern. Die spektakulärsten Abrisskanten, die in der Gegend zu finden sind. Mitten hindurch geht der Trail.

Blick nach oben

Blick nach oben

Dann kommt der Sonnenfels, von dem man einen wunderbaren Ausblick auf die Rücken von Jusi und Hörnle und ins Ermstal hinein hat. Dort, auf der anderen Seite des Tales, verläuft ein Großteil der Strecke von letzter Woche.

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Das Ermstal mit Jusi- und Hörnlerücken, Hohenneuffen im Hintergrund

 

Nach dem Sonnenfels geht es im Wellenprofil bis zum Olgafels und dem Rossfeld. Dieses muss am Rand umgangen werden, denn hier herrscht Flugbetrieb.

Dann kommt der Rossfels und Wiesfels, beides beliebte Kletterfelsen.

Am Grünfels verlässt die Strecke die Kante und es geht zum höchsten Punkt, die Hohe Warte (808m).

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Dann geht es runter und mitten durch den Fohlenhof St Johann und die Kante ist wieder erreicht. Abermals geht es rechts (nun aber in die entgegengesetzte Richtung als beim ersten Anstieg) an den Koppeln des Fohlenhofes entlang. Ein kurzer Stück auf der Fohlensteige nach unten, bis der Abzweig Richtung Uracher Wasserfall kommt. Hier geht es in und durch die „Hölle“ unterhalb der Rutschenfelsen hindurch und man kommt am Uracher Wasserfall heraus. In der „Hölle“ sollte man besonders im Frühjahr aufmerksam sein, denn der Trail ist stark Steinschlag gefährdet. Ich habe dort schon abgestürzte Felsbrocken in der Größe von Kleinwagen liegen sehen…deshalb bin ich da heute ohne Stopp durch. Impressionen gibt´s hier

DSC01662

Den Uracher Wasserfall ließ ich heute links liegen und machte mich gleich an den Aufstieg zum Ameisenberg. Dort ist auch meine Lieblingsstelle der ganzen Strecke, man kann wunderbar die Rutschenfelsen sehen (die Stelle hat sich verändert, das Geländer ist weg. Ich weiß noch nicht, ob ich das gut finde oder nicht…irgendwie gehörte es zum Bild dazu).

Wiederum ist man oben an der Kante und es geht linker Hand zu den Eppenzillfelsen. Dort beginnt der Downhill auf einem „Grat“. Gemessen an den Trailbeschaffenheiten der Schwäbischen Alb würde ich diesen Downhill zu den kniffligen und schwierigen zählen. Nicht unbedingt was für Rookies, hier braucht man schon richtig Trittsicherheit. Aber wer hier gut runterkommt ist allem, was die Schwäbische Alb zu bieten hat, gewachsen. Neben dem Grat gibt es einen zweiten Trail nach unten, der leichter ist.

Dann folgt der letzte Anstieg, hoch auf die Ruine Hohenurach. Hier kann man nochmal tolle Ausblicke genießen und diese Ruine ist so ganz anders als der Hohenneuffen.

Schnell geht es nach unten und der Trail spuckt einen unweit des Wanderparkplatzes wieder aus.

Die Strecke hat 22k und 999HM (nein, ich mag nicht aufrunden: genau soviel HM hat meine Ambit heute gemessen 😀 )

Hier die Impressionen vom letzten Jahr:

 

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12 Kommentare

  1. Au ja, ich freu mich sehr auf und über unsere neue Tradition! Wäre so gerne diesmal auch dabei gewesen… ♡ :-*

    1. Ja, das wäre schön gewesen – zumal Du die Strecke nur ohne Sonnenschein kennst. Drücken wir die Daumen, das wir nächstes Jahr schönes Wetter haben :-*

  2. Jetzt lieg ich hier und mir zappeln die Füße und der Kopf läuft im Geist auch dort ☺

    Wenn ich wieder richtig auf den Beinen bin muss ich unbedingt mit dem Zug nach Urach und da laufen.
    Danke für die Eindrücke.
    Lg Nadine

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