Run the world: Fuerteventura Teil II

Eine Insel, die mich immer wieder überrascht hatte. Eine Insel, die meine Erwartungen weit übertroffen hatte. Eine Insel, die mit so vielen landschaftlichen Schätzen aufwartete. Eine Insel, die ruhige Wanderwege bietet und somit für Trailrunner, die Ruhe und Einsamkeit auf ihren Touren mögen, geradezu optimal ist.

Wer Sonne, Wind, Steine, Sand, Küsten, Berge, Canyons, weite Ausblicke, breite Strände, hohe Wellen, eine kräftige Brandung und die Farbe braun mag, der ist auf Fuerteventura bestens aufgehoben.

Im Kräutergarten Fuerteventuras: Pico de la Zarza (812m ü.NN, höchster Gipfel der Insel)

Nur wenige hundert Meter von unserem Hotel entfernt begann die Route auf den Pico de la Zarza. Er ist mit 812m ü. NN der höchste Gipfel der gesamten Insel. Vom Haupteingang unseres Hotels aus konnten wir die gesamte Aufstiegsroute einsehen. Hauptsächlich verlief der Weg über eine Schotterpiste, nur am Gipfelanstieg würde der Weg schmaler werden. Aus der Ferne betrachtet, machte der Anstieg den Eindruck, als ob er nicht unbedingt Schmankerl bereit halten würde und eher etwas „langweilig“ daher kam. Wir wußten, dass wir vom Gipfel aus eine Aussicht hinunter auf die Nordküste der Halbinsel Jandia haben würden und somit die Playa de Cofete und Playa de Barlovento nochmal aus einer anderen Perspektive sehen konnten. Wir folgerten daraus, dass wegen der spektakulären Aussicht die Tour im Wanderführer die Auszeichnung „Top“ erhalten hatte. Ganz unseren Erwartungen gemäß ging es los. Karg, steinig, schwarz, dunkelbraun. Teilweise in Böen auffrischender Wind (eine Kollegin erzählte mir, das sie damals mit ihrem Freund gemeinsam die Tour auf den Gipfel bei der Hälfte wegen zu starkem Wind abbrechen mussten, da sie die Sorge hegten sonst vom Kamm gefegt zu werden). Der Schotterweg zog sich wellig und kurvig über Kuppen mal mehr und mal weniger steil nach oben. Das Faszinierende und überraschende und alle Erwartungen übertreffende dabei war, das die zu überwindenden Kuppen jede für sich ihren ganz eigenen Charakter zeigte. Mal schwarzes Gestein, dann plötzlich hellbrauner Grund, dann wieder dunkelbraun und erdig (!). Mit zunehmender Höhe nahm die Vegetation immer weiter zu. Sie nahm soweit zu, dass wir uns während des größten Teils des Gipfelanstiegs in einem Kräutergarten wieder fanden. Überall roch es nach wildem Salbei und Melisse. Niemals hätte ich gedacht, solch eine Vegetation auf der Insel vorzufinden. Es war schon fast surreal. Ich zog jeden Duft, den ich erhaschen konnte, in mir auf. Meine Augen wollten sich an den ständig wechselnden Farben der uns umgebenden Gesteine nicht satt sehen. So ein unscheinbarer Weg aus der Ferne, der sich als die Überraschung der Insel herausstellte.

Der Gipfel bot eine großartige Aussicht. Leider etwas getrübt, denn die Luft wurde im Laufe der Tour immer weiter durch feinste Sandpartikel, herüber geweht aus der Sahara, angereichert. Der anschließende Downhill wieder hinunter bis zum Meer machte sehr viel Spaß und hätte von mir aus ewig so weiter gehen können – bis meine Oberschenkel geplatzt wären 🙂

Durch das Gran Valle zur Degollada de Cofete

Ups – schon wieder Cofete. Dieses Fleckchen Erde hatte es mir angetan. Es hat einen großen Platz in meinem Herzen eingenommen.

Katja wollte sich einen Ruhetag gönnen. Die Migräneattacken bestimmten mittlerweile ziemlich ihren Tag, und nachdem es sie bereits zweimal unterwegs übelst mit einer Attacke erwischt hatte, wollte sie in der Nähe des Hotels bleiben. Für den Fall der Fälle. Da ihr Medikamentenvorrat langsam zur Neige ging und sich auf meiner Unterlippe, verursacht durch Trockenheit, langsam Kulturen von Candida ausbreiteten, beschlossen wir, zunächst eine Apotheke in Morro Jable aufzusuchen. Nach einer sehr sympathischen und hilfreichen Beratung mit anschließendem Einkauf in der Apotheke trennten sich unsere Wege. Katja ging noch ein wenig bummeln, um dann am Strand zurück zum Hotel zu spazieren. Ich fuhr mit dem Auto weiter an den westlichen Ortsausgang von Morro Jable, stellte dort das Auto ab und befand mich bereits nach wenigen Metern auf dem GR 131 Richtung Gran Valle. Vorbei am Friedhof von Morro Jable, durch mehrere Barrancos und an einem Gehöft vorbei. Dort in der Nähe, an der Straße Erdpiste zur Westküste von Puerto de la Cruz bzw. El Puertito befindet sich übrigens auch der Wanderparkplatz für diese Tour. Ab dort ging es auf einem zunächst etwas breiteren Camino in das „Große Tal“ hinein, immer sanft ansteigend aber noch gut laufbar. Am Anstieg zur Degollada de Cofete (Degollada ist ein Paß oder eine Scharte, ein Sattel – wörtlich übersetzt wird es jedoch mit „mörderisch“) wurde es steiler und der Weg schmaler. Am Übergang wehte der Wind wieder sehr kräftig. Auf einem alten Maultierpfad lief ich dann noch ein wenig hinab in Richtung Playa de Cofete (der Pfad führt ganz bis zum Strand hinab und ist somit die Wegverbindung für alle, die lieber zu Fuß unterwegs sind statt mit dem Auto) bis zu einer kleinen Aussichtskanzel. Der Ausblick auf die Brandung des Atlantiks, die Playa de Cofete und die umliegenden Berge des Jandia Massivs ließen mich abermals wieder nur schwer los. Mein Rückweg erfolgte auf dem gleichen Weg, mit kleinen Abweichungen zwischen dem Friedhof und Morro Jable. Auf der gesamten Strecke traf ich eine Wanderin im Gran Valle, zwei Läufer an der Degollada de Cofete und eine Herde Schafe 🙂

Der Move

Running on the coast and in the dessert – Agua Liques und das Sandmeer von El Jable

Auf Fuerteventura gibt es nicht nur Steinwüste – nein, es gibt auch Sandwüste. Richtige, echte Wüste, so wie man sie sich vorstellt. Sogar Wanderdünen sind auf der Insel zu finden, im Norden bei Corralejo. In der „Wespentaille“ der Insel, am Übergang der Hauptinsel zur Halbinsel Jandia , liegt Istmo de la Pared/ El Jable:

Gestartet bin ich in Costa Calma um dann schnurstracks zur Nordküste zu laufen. Dort erwartete mich Agua Liques. Ein stark erodierter Klippenrand über den ich bis zu einem Sims etwa 3m oberhalb der Wasserlinie gelangte. Dieser Sims zieht sich über weite Strecken an der Küste entlang, in nordöstlicher sowie in südwestlicher Richtung. Abermals war ich so gut wie alleine dort unterwegs. Ca 200m in nordöstlicher Richtung am Abgang der Klippe (= Agua Liques) stand ein Angler. Und später traf ich noch zwei Wanderer, die mir auf dem Sims entgegen kamen. Dieser Umstand „die atemberaubende Landschaft für sich alleine zu haben“ potenzierte die Magie dieser besonderen Orte auf der Insel für mich. Immer wieder ertappte ich mich bei dem Gedanken, dass dies doch nicht Wirklichkeit sein konnte. So eine wunderschöne Landschaft, und nur so wenige Menschen interessieren sich dafür? Auf der einen (der größeren) Seite, ist es Glück für mich bzw für uns, solche wunderschöne Orte der Erde ohne Touristenansammlungen bzw Massen erleben zu dürfen. Dies spiegelte sich auch deutlich positiv dadurch nieder, das wir so gut wie keinen Müll in der Natur vorfanden. Wenn ich da an so manch andere europäische Insel denke, die ich besucht habe… Auf der anderen (der kleineren) Seite, wird es dieser Landschaft einfach nicht gerecht, dass sie so wenig von den Besuchern der Insel beachtet wird.

Da ich mich schon seit den ersten Recherchen zur Insel sehr auf die Möglichkeit freute, mal in der Wüste zu laufen, wählte ich meine Tour so, dass ich mich in südwestlicher Richtung zunächst an der Küste halten würde, dann offtrail diese zu verlassen und im Anschluss voll in die Wüste einzusteigen. Irgendwann wurden die menschlichen Fußspuren an der Küste immer weniger und verloren sich schließlich gänzlich im Nichts. Da waren nur noch ich und die Ziegen. Das war schon ein wenig unheimlich. Dort beschloß ich dann, von der Küste wieder aufzusteigen (natürlich im Windschatten und im tiefen Sand *schwitz*) und die Sandpiste zu suchen, welche mich ans Ende von El Jable und zu den Ausläufern des Jandia Massivs bringen sollte. Sandpisten sind mal mehr und mal weniger gut zu erkennen. Und eigentlich überhaupt nicht, wenn diese sich über einem auf einem Kamm befinden. Wenn ich nicht bereits geschwitzt hätte, wäre ich nun deutlich ins schwitzen gekommen. Die Landschaft war wunderschön und gleichzeitig Abenteuer pur. Hier wollte ich nicht ernsthaft in Orientierungsschwierigkeiten kommen. Kein Mensch weit und breit. Keine Ziege weit und breit. Nur Sand, Steine, Wind und hie und da Dornengebüsch. Wasser? Nada, nix, niente… und dann, endlich, konnte ich die Piste ausmachen. Fahrzeugspuren und Pfosten. In welligem Profil führte mich die Piste ans Ende der Wüste. Dort gab es einen Mirrador, von welchem ich auf die Playa de Barlovento und das Jandia Massiv blicken konnte. Ab dort gab es auch wieder Fußspuren im Sand. Nun mußte ich mich südlich halten um dort nach wenigen hundert Metern auf den GR 131 einzubiegen. An der Abzweigung fand ich jedoch leider nicht die Hinweise, die mir mein Wanderführer gab. Ein Schild, welches auf ein Vogelschutzgebiet hinwies? Fehlanzeige. Markierungspfosten des GR 131? Fehlanzeige. Überhaupt irgendwelche rot-weißen Markierungen des GR 131? Fehlanzeige! Ich befand mich am weitest weg gelegenen Punkt von Costa Calma. Ok, genug Wasservorräte hatte ich noch – also beschloss ich, die Abzweigung zu nehmen und nicht noch weiter auf der Piste zu bleiben. Fußspuren gab es in beide Richtungen. Dieser Weg passte zumindest von der Richtung und wand sich auf eine Erhebung zu. Dann kam endlich auch das Schild des Vogelschutzgebietes und ein Holzpfosten mit der erlösenden Markierung des GR 131. Puuh, ganz schön abenteuerlich! Sobald auch nur die geringste Steigung im tiefen Sand kam, war Laufen sehr sehr anstrengend und ich wechselte lieber ins Gehen über. Kleine leichte Wolken, die unter der Sonne tanzten und ein Schattenspiel um mich herum warfen. Das Licht wechselte ständig, Sonne, Schatten. Hell, nicht ganz so hell. Meine Schuhe waren mittlerweile trunken mit Sand. Mit dem Ausleeren deren wartete ich jedoch noch lieber bis ich wieder auf eine Schotterpiste traf, denn sonst hätte ich die Prozedur des *Schuhausleeren* und *Sockenumstülpen* mehrmals wiederholen müssen. Dann – ein Hauch von Zivilisation. Ein paar Baracken, ein paar Kleintransporter. Polizei. Absperrung. Polizei? Absperrung? Ausgerechnet die Piste, auf welcher der GR 131 verlief… Mist! Als ob mich all das nicht tangieren würde, lief ich locker auf die Polizisten und ihre Absperrung zu. Lülülülü…. Höflich, jedoch auf spanisch, wiesen sie mich darauf hin, dass ich hier heute nicht durch konnte. Ok, das Ganze in Englisch bitte? „It´s closed“. Hä? „My car is in Costa Calma. How I can get to Costa Calma por favor?“ *Schulterzucken*+*Lächeln*. Ich muss wohl kurz etwas sehr verzweifelt ausgesehen haben – denn nun gab mir der Polizist zu verstehen, das ich passieren konnte. „But you know, tomorrow is closed ;-)“ „Ok! muchas gracias!“… und weg war ich, so schnell wie nur möglich, bevor es sich die beiden wohl doch noch anders überlegen würden… Schon vorher waren mir diverse kleine Wegweißer in pink aufgefallen, die auf irgendein Rennen hinwiesen. Wahrscheinlich ein motorisiertes Rennen, das dort am Wochenende statt fand. Der restliche Rückweg verlief dann richtig entspannt. Ich hatte keine Wegfindungsschwierigkeiten mehr und wußte, dass ich nicht mehr allzu sehr mit meinen Flüssigkeitsvorräten haushalten musste. Schon bald erreichte ich den Abzweig, welcher mich wieder zur Südküste und nach Costa Calma führte.

Das war ein schönes und spannendes Abenteuer. So hatte ich Trailrunning noch nie annähernd erlebt. Es hat großen Spaß gemacht, in der Wüste unterwegs zu sein. Zumindest für ein paar wenige Stunden 😉 Und die Küste – ein Traum!

Der Move

Zweites Resume: Es wird sicherlich nicht nur bei einem Besuch meinerseits der Insel bleiben. Und ich bin neugierig auf ihre Nachbarn!

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