Geteiltes Wasser

Was für mich beim Laufen wohl nie auf Dauer und nur als Notausweg funktionieren würde, ist beim Schwimmen jedoch äußerst erwünscht: die klare Abtrennung und Eingrenzung des sportlichen Wirkungskreises. Ca 50 m² in der Halle und 100m² unter freiem Himmel reichen aus, um rückblickend auf über tausenden von Kilometern meinen Spaß gehabt zu haben. Soviel Raum bringt in etwa eine 25m bzw 50m lange Beckenbahn, abgegrenzt durch Wellenbrechleinen, mit. Klar ist, dass sollte man schon mögen – denn sonst wird das nix mit dem Glück im Wasser.

An die 25 Jahre hat es nun gedauert, bis im Nürtinger Hallenbad das Schwimmerbecken für die verschiedenen Interessenbereiche der Besucher aufgeteilt wurde. In kostengünstigen, aber nicht besonders wirksamen Etappen wurde sich über zwei Jahre hinweg bis zum nun bestehenden Optimum „hingearbeitet“. Das Ergebniss ist jedoch mehr als zufriedenstellend. So macht Schwimmen Spaß! Die Zeiten der Daseinsberechtigungskämpfe, aus denen ich ich zwar gerne fern hielt, ab und an jedoch unvermeidbar waren, sind vorbei. Schwimmen im Haifischbecken? – Lebe Wohl!

Damen brauchen keine Wasserspritzer mehr fürchten und um ihre peinlichst genau Haar für Haar gelegte Frisur bangen. Egomanen, Ignoranten und/oder selbst ernannte Bahnenplatzhirsche müssen sich den Regeln, die für alle innerhalb der abgetrennten Bahnen gelten – nämlich Rechtsverkehr -, entweder fügen oder sie dürfen sich wo anders ein Plätzchen zum Schwimmen suchen. Eingeladen werden sie dazu in einer höflichen Belehrung vom Aufsichtspersonal. Ja, seit einem halben Jahr ist endlich Ruhe, Harmonie und ein friedliches Miteinander im Bad eingekehrt. Ideal für mich, um regenerativ und, wenn nötig – meditativ – meine Runden… äääh, Bahnen, zu drehen. Zuerst das Wasser entweder mit einer Hand oder beidhändig greifen, dann sich daran nach vorne ziehen und im Abschluss weg drücken, den Arm mit dem durch den Abdruck verursachten Schwung wieder nach vorne führen, dann beginnt dieselbe Bewegung erneut. Immer und immer wieder. Ein ewiger Kreislauf, sofern man das möchte 😉 Atmen sollte natürlich nicht vergessen werden, sonst wird es flott unangenehm. Und die Beine dürfen auch ein wenig mitarbeiten. Mal mehr, mal weniger, je nach Schwimmstil und eingesetzten Trainingshilfen.

Das Schwimmen war mal meine große sportliche Leidenschaft. Über 20 Jahre habe ich mich in den Sport eingearbeitet, angefangen mit einer halben Stunde pro Woche, Brustschwimmen versteht sich – so wie ich es als kleines Kindlein gelernt hatte. Eine Wasserratte war ich schon immer, habe Sommer für Sommer meiner Kindheit im Freibad verbracht und von Herbst bis Frühjahr ging es Freitag abends mit meinem Papa zusammen ins Hallenbad. Er schwamm, ich tauchte und spielte am Beckenrand und Trennungsseil. So ging das bis zur Pubertät, dann rückten für einige Jahre andere Freizeitbetätigungen in meinen Fokus bis ich dann mit Anfang Zwanzig meinen Weg wieder ins Wasser fand und die Leidenschaft mich einfing. Alle anderen Schwimmstile (Kraul, Delphin und Rücken) sowie die Rollwende habe ich mir selbst beigebracht. Ebenso das Atmen nach jedem dritten Armzug beim Kraul, so dass ich links und rechts mitbekomme, was neben mir los ist. Zu meiner Schande muss ich jedoch gestehen, das ich die vermaledeite Schwunggrätsche (Beinschlag) beim Brustschwimmen nach all den Jahrzehnten im Wasser immer noch nicht kann. Früher behalf ich mich mit der sogenannten Beinschere (welche überigens bei Wettkämpfen zur Disqualifikation führt), die letzten wenigen Jahre bin ich bei Brust auf Delphinbeinschlag gewechselt, denn dieser Antrieb ist ehrlich gesagt kniefreundlicher. Vorne Frosch und hinten Welle sozusagen. Ich hatte Jahre, in denen ich bis zu 800km im Wasser runter gebügelt hatte. Mehrere tausend Kilometer sind dabei auf mein Wasserbewegungskonto gut geschrieben worden. Wenn die Kacheln im Schwimmerbecken einen Namen hätten – ich würde sie alle kennen, und das obwohl ich mir Namen schlecht merken kann. Auch wenn die Schwimmerei in den letzten drei Jahren der Lauferei mehr und mehr Platz gemacht hat, so werde ich niemals völlig darauf verzichten. Die Zeiten von größeren Ambitionen und Vollgas geben sind zwar vorbei, aber es reicht immer noch völlig aus, um als Stabilisationstraining für das Laufen zu dienen und einen Kontrast dazu zu setzen. Win-Win in allerlei Hinsicht, wie man heute so schön zu sagen pflegt 🙂

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s