Der *Anywhere-Runner*: Saucony Peregrine 6 – „Kurzreview“

Angefixt von der Kaufempfehlung in der Kategorie „Allrounder“ des Trail Magazin Schuhtest 2016 (Ausgabe 03/2016) und von Katja seit Jahren als Allzweckwaffe genutzter Schuh wurde meine Neugier so groß, das ich mir nun (endlich) den Saucony Peregrine auch mal an die Füße schnallen wollte. Das hätte ich wohl besser nicht tun sollen – denn einmal an den Füßen, war klar, neee, den will ich nicht mehr ausziehen!

Mittlerweile gibt es den Saucony Peregrine in der sechsten Generation. Zu den Vorgängern kann ich nichts sagen, besitze ich diesen Schuh doch erst seit heute und ich hatte ihn bisher noch nie an den Füßen. Da Katja jedoch ein „alter Hase“ in Sachen Peregrine ist, wird sie sich später in diesem Artikel noch dazu äussern.

Eigentlich hatten wir für heute einen Longrun auf Forstwegen geplant, einfach um viele Kilometer am Stück zu laufen und somit nochmal die Basis für die kommenden Wochen zu festigen. Technische Trailrennerei hatten wir uns ja ausgiebig am Karfreitag gegönnt. Gestern trudelten die beiden Pakete ein, für jeden ein paar nagelneue Saucony Peregrine 6. Zu müde waren wir gestern abend, noch in die Schuhe das erste Mal hinein zu schlupfen und verschoben das Ganze auf heute morgen. Blitzschnell, mit einem Leuchten in den Augen und ohne viel Worte war klar: Diese Schuhe wollen und müssen heute ausgeführt werden! Fortsweg-Rennerei? Nein, danke! 30k lassen sich auch auf einer schönen abwechslungsreichen trailigen Runde von der Haustüre aus absolvieren.

Natürlich ist es ein Wagnis, so ganz ohne ein kleines „Einlauf-Läuflein“ mit nigelnagelneuen Schuhen gleich mal 30k zu laufen. Jedoch hatten weder Katja´s noch meine Füße irgendwelche Probleme. Im Notfalle hätten wir die Runde auch an verschiedenen Stellen kürzen können und der Weg nach Hause wäre nicht allzu weit gewesen. Vorab: ich hatte selbst auf den letzten Kilometern der Runde immer noch ein fluffiges Gefühl beim Laufen, nichts, aber rein gar nichts drückte oder rieb oder verursachte Blasen. Meine Füße fühlten sich außerordentlich wohl, von den ersten bis zu den letzten Metern. Egal ob im Anstieg, im Downhill, auf dem Trail, im Matsch, auf glibschigen Steinen, auf Forstwegabschnitten oder gar Asphalt – es fühlte sich immer gut, komfortabel und vor allem sicher an. Oft ertappte ich mich bei dem Gedanken, das Saucony diesen Schuh extra nur für mich und diese Trailrunde erschaffen hat.

Der Grip war immer zuverlässig, selbst wenn sich das Profil bereits mit feuchtem Batz zugekleistert hatte. Ja, das passierte relativ zügig – jedoch hatte es keinen großen Einfluß auf den Grip. Und das zugekleisterte Profil lässt sich bei Bedarf auf Grund der Anordnung der Stollen (in Reihe und nicht zueinander versetzt) sogar schnell wieder mit einem Stöckchen reinigen (Zu Hause angekommen hatte sich das Profil auch wieder selbst gereinigt). Eher fällt dieser Umstand buchstäblich aufs Gewicht. Ein Downhill-Abschnitt, durchzogen mit feuchten und in Folge dessen glibschigen Steinen – kein Problem für den Peregrine 6. Jeder Tritt saß. Bombenfest. Ausser den Salomon S-Lab Wings SG und den Salomon S-Lab Sense 4 SG habe ich keine Schuhe, die diesen Abschnitt unter diesen feuchten Bedingungen ohne rutschen meistern können. Selbst matschige Passagen meisterte der Peregrine 6 ohne groß Abstriche machen zu müssen. Beim Uphill bin ich auf feuchtem Waldboden nicht einmal beim Abdrücken weg gerutscht, die ganze Energie konnte in die Vorwärtsbewegung fließen. Auf Forstweg und Asphalt läuft er sich sehr komfortabel, hier spürt man deutlich, das Saucony eben auch gut Straße können. Die Stollen drücken nicht durch und der Schuh rollt harmonisch ab.

Der Schuh sitzt bei mir 1A. Die von anderen beschriebene breite Zehenbox fällt bei mir – obwohl ich eher schmale Schuhe trage – überhaupt nicht unangenehm auf. Ausgestattet mit der klassischen Schnürung, lässt sich der Schuh gut an den Fuß anpassen so daß der Fuß nicht im Schuh rutscht, jedoch noch so viel Freiheit bekommt, das er sich auch gut bei langen Kanten noch ausbreiten kann. Diesbezüglich hatte ich im Vorfeld etwas Bedenken. Der RaceUltra von Inov8 zum Beispiel „schlabbert“ an meinen Füßen und dies konnte ich nicht über die Schnürung kompensieren. Daher ging dieser Schuh damals gleich wieder in die Retoure. Und ich trage ja auch oft und viel den Salomon S-Lab Sense Ultra 3, welcher eher für schmale Füße gemacht ist.

Bereits nach diesen ersten 30 Kilometern mit dem Peregrine 6 steht fest, das er auf jeden Fall mit zum APUT darf und ein Kandidat für Ultradistanzen ist. Sollte er sich nun noch auf alpinen Trails mit Geröllabschnitten für geeignet herausstellen und auch dort eine gute Performance bieten – dann wird er sicherlich in die engere Schuhwahl für den ZST XL aufgenommen und dem Salomon Speedcross 3 penetrant auf die Pelle rücken. Spätestens dann rutscht er bei mir von der Kategorie „Allrounder“ in die Kategorie „Alleskönner“. Hier ist aber noch ein wenig Geduld gefragt, denn wir werden frühestens an Pfingsten in den Genuß kommen, alpine Trails unter die Füße zu bekommen…

Technische Daten zum Schuh gibt es hier.

Und nun Katja´s Eindrücke:

Wie oben bereits erwähnt, bin ich quasi ein Peregrine-Fan der ersten Stunde. Der Peregrine 1 war mein allererster Trailschuh überhaupt. Bewertung gelesen, auf gut Glück bestellt und die saßen einfach perfekt an meinen Füßen. Schon damals habe ich mich damit gefühlt, wie wenn ich in einem Hausschuh stecken würde, ich fand den Schuh super bequem und bin ihn gelaufen bis er buchstäblich auseinander fiel. Sogar ein Tränchen musste ich verdrücken, als ich ihn nach angemessener Trauerzeit, die er noch im Schuhregal verbringen durfte, zur Mülltonne getragen habe. Seither durfte ich noch einige nachfolgende Peregrine-Modelle mein Eigen nennen, die Passform war immer gleich und auch an der Sohle hat sich nie groß was verändert. So ist der Peregrine dann einfach immer mein Schuh für alle Fälle gewesen. Als ich noch in München gewohnt habe, war der Peregrine meistens der Schuh meiner Wahl, wenn ich im Perlacher Forst oder an den Isartrails unterwegs war. Und oft habe ich mich gewundert, warum man den Schuh eigentlich nicht so besonders häufig an den Füßen anderer Läufer sieht. Obwohl auch schon frühere Modelle Kauftipp im TrailMagazin waren…

Nun wurde also der Peregrine 6 angekündigt und was man darüber zu Lesen bekam klang durchweg gut. Zu meiner Überraschung wurde die Außensohle komplett verändert. Da erinnert optisch rein gar nichts mehr an die Sohlen der Vorgängermodelle! Das hat mich super neugierig gemacht und ich wollte den Schuh natürlich unbedigt mal in die Finger bzw. an die Füße bekommen. Etwas skeptisch stand ich der angekündigten geräumigeren Zehenbox gegenüber, da ich auch eher schmalfüßig unterwegs bin und es nicht sonderlich mag, wenn ich meine Schuhe so fest schnüren muss um nicht darin herumzurutschen, dass sich vorne eine riesen Falte bildet. Schaut sch… aus und ist auch nicht besonders bequem. Das wollte ich bei meinem Peregrine nicht haben, der bisherige Sitz war ja perfekt.

Nachdem Simone beschlossen hat, den Schuh einfach mal für uns beide zu bestellen, nur so, um halt mal reinzuschlüpfen… ;-)… hatte ich also heute vormittag tatsächlich den Schuh meiner Begierde an den Füßen und ich muss sagen. ja!… Ooooooh JAAAAAA! G***!!!! Anders kann man das nicht ausdrücken…

Also um es vorweg zu nehmen, er ist wie seine Vorgänger und doch irgendwie ganz anders. Die Passform ist nach wie vor super (also für meine Füße auf jeden Fall), das Hausschuhgefühl war sofort wieder da. Die Zehenbox ist tatsächlich geräumiger als bei den bisherigen Modellen, das sieht man schon rein optisch sofort. Aber sie ist nicht so groß, dass es für mich problematisch wäre. Ich konnte den Schuh mit der Schnürung gut anpassen, so dass er nun perfekt sitzt ohne eine Falte zu werfen. Auf längeren Kanten, für die der Peregrine 6 auf jeden Fall ein Kandidat ist, wird mir der zusätzliche Zehenplatz auf jeden Fall zugute kommen. Was mir sofort beim Reinschlüpfen aufgefallen ist, war die wesentlich komfortablere Dämpfung und auch das andere Abrollverhalten des Schuhs, das  richtig Vortrieb gibt. Außerdem sitzt wie schon bei den Vorgängern die Ferse perfekt und auch sie ist super komfortabel gepolstert.

Das Laufgefühl ist mit diesem Schuh einfach herrlich, der Grip der neuen Außensohle hat mich erstmal sprachlos gemacht. Ich fand schon die alte Sohle echt gut, aber diese neue hat all meine Erwartungen bei weitem übertroffen. Simone hat es ja bereits erwähnt, der Schuh war auf jedem Untergrund, den wir heute unter die Füße bekommen haben, perfekt.  Dazu kommt, dass er auch super schnell trocknet. Mit dem rechten Schuh bin ich heute mitten in ein riesen Wasserloch getappt, er war wirklich komplett nass und auch die Einlegesohle war völlig durchtränkt. Trotzdem haben sich meine Füße schon nach kurzer Zeit wieder trocken angefühlt und als wir zu Hause angekommen waren, waren der Schuh, die Einlegsohle und auch mein Socken vollkommen trocken. Wie ich beim Herausnehmen der Sohle festgestellt habe, hat diese jede Menge „Drainagelöcher“, diese haben sicherlich sehr zu der schnellen Trocknung beigetragen.

Zusammenfassed bin ich also super super begeisert vom Peregrine 6, er hat mich in allem überzeugt. Passform, Komfort,Dämpfung, Abrollverhalten, Grip auf jedwedem Untergrund… und auch bei mir nach 30 km Einlaufen keine Druckstelle, keine Blase, nix!  Ich würde sagen, das ist der beste Peregrine, den es jemals gab und ich freue mich riesig, dass nun auch Simone zum Fan geworden ist.

 

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5 Kommentare

  1. Ich habe seit einigen Wochen den Peregrine 5 und muß sagen ich finde den ebenfalls echt klasse. Ein viel zu unbeachteter Schuh, vor allem das Denis vom Trailmag schon seit Jahren bei jedem Schuhtest ein Loblied auf den Schuh singt.

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