Pre-work Trailrun

Erst das Vergnügen, dann die Arbeit – ich habe zwar keinen Kollegen in meiner Arbeit, die sich einen längeren Lauf zur Arbeit als Vergnügen vorstellen können – aber für mich ist es eine neue Möglichkeit, das Angenehme mit dem Unumgänglichen zu verbinden. Und ich kann berichten – es ist empfehlenswert! Selten konnte ich einen Arbeitsfreitag so entspannt und gut gelaunt erleben wie gestern.

Schon lange spielte ich mit dem Gedanken, meinen Arbeitsweg als Laufstrecke zu nutzen. Mir fehlte nur irgendwie immer die zündende Idee – denn 4,5k (einfach) sind nun nicht besonders viel. 4,5k , für die es sich für mich bisher nicht wirklich lohnte, den Aufwand zu betreiben, den ein Lauf zur Arbeitsstätte mit sich bringt. In verschwitzten Laufklamotten lässt sich nun mal nicht gut arbeiten. Vielleicht nur, wenn man für sich allein in einem stillen Kämmerlein der gestellten Arbeitsaufgabe nachkommen kann. Dies ist bei mir nicht der Fall. Aber ich habe zum Glück auch keinen Kundenkontakt, sondern treibe mich in zwei Produktionshallen herum. Wer schon mal in solcher war – egal in welcher Branche – der weiß, das jede Halle ihren eigenen Geruch hat. Inklusive mancher Kollegen, die darin völlig aufgehen. So fällt es also nicht weiter auf, wenn ich mich dort als Dirtbagrunner oute 🙂

Trotzdem benötige ich Wechselklamotten und was zum Essen und Trinken selbstverständlich auch. Generell nehme ich mir alles von zu Hause mit, was ich so für meine Schicht an Verköstigung benötige. Eine 1l-Thermoskanne Tee, dazu unzählige mit Essen gefüllte Schüsseln jedoch in einen Laufrucksack zu verstauen – naja, das sollte man lieber sein lassen. Freitags komme ich jedoch in den Genuß, nur eine verkürzte Schicht zu arbeiten (35h-Woche). Was in der Spätschicht Vor- und Nachteile bringt. Da natürlich die Frühschicht auch schon verkürzt anwesend ist, verschiebt sich mein Arbeitsbeginn bereits auf 11.30 Uhr. Früher bin ich an den Spätschicht-Freitagen immer ganz früh morgens zum Laufen gegangen. Im Dunkeln oder in den Sonnenaufgang hinein – je nach Jahreszeit. Wobei man das nicht wirklich Laufen nennen konnte – es hatte doch immer noch viel schlafwandlerische Züge… Und die letzten Monate habe ich einfach mein Hinterteil nicht mehr so früh aus der kuschelig warmen und gemütlichen Kiste bekommen. So hatte ich vor ein paar Wochen an einem Freitag den Drang, nun endlich mal zu testen ob es rein logsitisch für mich möglich ist, zur Arbeit zu laufen und dabei alles Nötige im Rucksack unter zu bringen. Und damit sich das Ganze auch halbwegs lohnt, wollte ich auch wieder nach Hause laufen. Gedacht, getan. Eine warme Jacke und meine Sicherheitsschuhe, welche ich an meiner Arbeitsstätte tragen muss, sind sowieso bereits vor Ort. So brachte ich doch tatsächlich einen kompletten Satz Wechselkleidung, ein Vesperbrot, eine Schüssel mit Obst und eine 0,7l-Thermoskanne in einem 7l-Laufrucksack unter (Hier stellte sich mal wieder raus, das Laufrucksack nicht gleich Laufrucksack ist – manche sind wahre Raumwunder):

Haglöfs Gram7

Haglöfs Gram7

Dann lief ich los – es war sonnig und machte tausend mal mehr Spaß wie mit dem Fahrrad, mit dem ich sonst zur Arbeit unterwegs bin. Ja, sogar die Arbeit machte mehr Spaß als sonst, die wunderlichen Blicke der Kollegen obgleich meines Erscheinens waren ehrlich gesagt zum inneren Schmunzeln anregend. Und da ja Bewegung an der frischen Luft die Denkzellen in Gang bringt, purzelten sogleich Ideen für Verbesserungen und logistische Optimierungen durch mein Sauerstoff angereichertes Gehirn. Wenn ich den Inhalt meines Laufrucksackes so weit reduziere, das auch noch die gefüllte Trinkblase Platz hat, dann könnte ich doch über einen schönen Umweg zur Arbeit laufen. Und nach Feierabend entweder nach Hause spazieren oder mit einem Kollegen mitfahren (ÖfVm-Anschluss ist miserabel bis völlig unbrauchbar). Im Sommer wäre dies auf jeden Fall machbar, da braucht´s ja nicht so viel Klamotten. Und wenn ich dann die Klamotten sogar noch am Vortag bereits mitnehme, dann brauche ich im Rucksack nur das, was ich sonst auch zum Laufen brauche. Blöd war an diesem jenen denkwürdigem *dasersteMalzurArbeitlaufenundwiederzurück*-Freitag, das sich angeschwitzte Laufsachen nur schwer an einem Bürostuhl wieder trocknen lassen um später wieder für den Rückweg hinein schlüpfen zu können. In nasses Zeug mag ich nämlich nicht mehr rein wenn ich es mal ausgezogen habe. Ja, und irgendwie waren es mir auch für meine Kollegen zu tiefe intime Einblicke in mein Läuferleben (also nicht das jetzt jemand denkt, ich hätte meine Unterwäsche über den Stuhl gehängt 😉 ). Und wenn ich dann noch mit genügend Zeitpuffer loslaufe, kann ich mich im Supermarkt vor Ort eindecken.

So optimierte ich dann mein Pre-work-adventure in der Vorbereitung und gestern startete ich zur Premiere. Ich muss sagen, sie war für mich ein voller Erfolg. Eine 20k-Runde, in der ich so viel wie möglich Trails zwischen Nürtingen und Oberboihingen packte. Die Stimmung – nicht in Worte zu fassen. Das Neckartal lag im Nebel, doch bereits wenige Meter weiter oben auf dem Galgenberg schien die Sonne. Am höchsten Punkt der Strecke, auf der Oberensinger Höhe – entfaltete die Nebel-Sonnenkonstellation erst ihre ganze Schönheit.

Von der Oberensinger Höhe ging es dann in Richtung Unterensingen. Dort hatte ich die Möglichkeit, den Neckar zu überqueren um nach Oberboihingen zu kommen. Neue Trails gecheckt und trotz urbaner Umgebung konnte ich die meiste Zeit auf schmalen Wegen und Trampelpfaden laufen

Mein Fazit: Geil, geil, geil! Absolut empfehlenswert und zur Nachahmung empfohlen (wo ein Wille ist, ist auch ein Weg 😉 ). Ich werde das auf jeden Fall wiederholen. Beachten sollte man, das man genügend Zeit einplant denn zur Hetze um auch ja pünktlich zu erscheinen sollte der Pre-work-Lauf nicht werden… und ein wenig Stärkung nach dem Lauf für die Arbeit ist auch nicht verkehrt 🙂

Do it!!!!

Do it!!!!

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10 Kommentare

  1. Ja ins Geschäft laufen hat was wenn man die Möglichkeit hat. Bei mir leider nicht möglich, mangels Dusche und die Kollegen mögen keine Schweißgeruch im Büro 🙂 Würde ich sonst seit Jahren machen.

    Wo ist den der Trail wo im Hintergrund die Bauernhäuser sind? Gibt es entlang dem Aischenbach einen Weg, wusste ich garnicht?

    1. Na ja, gegen den Schweißgeruch muss bei mir Deo reichen – aber das fällt nicht weiter auf, meine Kollegen riechen auch ohne Sport gemacht zu haben 😉

      Ich weiß jetzt nicht genau welche Bauernhäuser Du meinst – da gibt es keine auf der Strecke. Wenn Du das Bild mit dem Trail im Wald und im Hintergrund die Häuser meinst – das ist in Wolfschlugen, entlang der Siedlung zwischen Sporthalle und Hardt. Dort gibt es eine schöne trailige Verbindung ab dem Waldfriedhof.

      Ja, am Aischenbach gibt es einen Trail – führt im Wald parallel zum Bach auf Höhe des Gelände vom Hundeverein. Ausserhalb des Waldes bin ich allerdings querfeldein gelaufen. Der Bach kann auch mühelos überquert werden, das habe ich neulich in gegensetzter Richtung gemacht. Da komme selbst ich Kleine trockenen Fußes drüber 🙂

      1. Ok, dachte ich mir das dies der Trail in Wolfschlugen ist. Ja den kenn ich 😉

        Den Weg am Bach werde ich demnächst testen, den Teil beim Hundeplatz kenn ich.

  2. Tolle Idee und tolle Trails!
    Bei mir sind es leider (einfach) 28km, querfeldein vermutlich noch etwas mehr, dazu einige Höhenmeter. Ich habe das ein paar Mal mit dem Rad gemacht, aber selbst das ist schon sehr stressig und ohne Umziehen nicht zu bewerkstelligen.

    Viele Grüße
    Ralph

    1. Danke!

      Hihihi, wer weiß, vielleicht werden ja einmal in naher oder ferner Zukunft die 28k einfache Strecke genau richtig sein für Dich 😉

      In Stress sollte das Ganze natürlich nicht ausarten, sonst hat man nichts davon. Ich kann wegen merines Schichtdienstes zum Glück morgens einen ausreichenden Zeitpuffer einschieben. Vor der Frühschicht (Arbeitsbeginn 06.00 Uhr) kann ich mir das (noch? 😉 ) nicht vorstellen…

      Viele Grüße
      Simone

    1. Allerdings! Und irgendwie ist es dann doch noch mal was anderes, wie wenn man zwischen dem Lauf nochmal zu Hause ist und dann zur Arbeit los dackelt… ein kleines Alltags-Unterbrechungs-Abenteuer.

      Mehr braucht es sicherlich nicht, solche Tage sind gerettet – egal was dann noch kommt 🙂

      Viele Grüß0e aus dem Neckartal

  3. Besser kann man in einen Tag doch nicht starten. Hast Du im Betrieb keinen Spint mit deinen Arbeitsklamotten und eine Duschmöglichkeit? Das wäre doch die einfachste Methode danach Frisch zu sein.

    1. Jein… nicht wirklich. Großer Spind u Dusche befinden sich in einem anderen Gebäude u diese Räume sind alles andere als einladend. Ausserdem wird die Dusche seit Jahren nicht benutzt, es ist kalt dort u gleicht einem Präsentierteller – das ist nix für mich ; -)

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