Brünstelkopf

Gestern ging es zu einer Bergtour in die Ammergauer Alpen. Von Farchant im Loisachtal hoch auf den Brünstelkopf (1814m) und zurück über das Gießenbachtal nach Oberau. Eine schöne und trotz der unmittelbaren Nähe zu Garmisch-Partenkirchen einsame Tour. Beim Aufstieg hielten uns stellenweise Heerscharen von Bremsen auf Trab, beim Abstieg stolperten wir von einem Abenteuer ins nächste…

Alles lief an gestrigen Tag anders alsgeplant. Ursprünglich wollten wir eigentlich nach Bayrischzell und von dort aus auf den Großen Traithen. €55 für die Fahrt mit der BOB (hin und zurück) waren uns aber zu viel. Da kommt dann doch der Schwobaseggl aus mir raus. Kurzerhand haben wir dieses Vorhaben entweder als Auftakt oder Schlusslicht unseres Urlaubes im Oktober am Achensee verschoben, denn da liegt Bayrischzell grob auf der Fahrt mit dem Auto von München aus. Also switchten wir auf das Werdenfelser Land um. Dort kommt man mit dem Werdenfels-Ticket der DB für €23 doch um einiges günstiger hin. Katja´s Achillessehne muckert zur Zeit rum und deshalb stand Wandern und nicht Trailrunning auf dem Programm. Im Nachhinein kristallisierte sich heraus, dass die Brünstelkopf-Tour auch bei trailrennerischen Ambitionen zu einem großen Teil nur wandernd für uns machbar ist.

Am Bahnhof in Farchant ging´s los, einmal quer durch den Ort und dann begann auch schon der Aufstieg über den Reschberg und weiter hoch zum Brünstelkopf. Ein wirklich schöner Aufstieg, der für alpine Verhältnisse weitestgehend gemäßigt verläuft. Die aufkommende Hitze des Tages war schon stark zu spüren, trotz Bewaldung. An windstillen Abschnitten, wo sich die Feuchtigkeit der Luft aufstaute, fielen die Bremsen über uns her. Ziemlich ausgehungerte Biester, denn am Brünstelkopf und seinen Nachbarn bewegen sich keine Wanderscharen. Das war streckenweise echt ziemlich lästig und wir wurden ordentlich verstochen. So lange wir uns bewegten, ging es noch halbwegs, sobald wir aber stehen blieben um mal ein Foto zu schiessen oder in Ruhe zu trinken, hatten wir gleich 4-5 von den Plagegeistern an uns dran… Ab dem Reschberg verlief der Aufstieg immer lichter, Wiesen und Bäume und überall Walderdbeeren am Wegesrand. Im Gipfelaufbau ging es durch Latschen. Das Gipfelkreuz selbst steht auf dem Vorderen Brünstelkopf (1734m) und dort oben hat man eine rundum wunderschöne Aussicht. Im Süden reicht die Aussicht vom Karwendel über das Wetterstein und Zugspitzmassiv, davor der Kramerspitz. Im Westen der Brünstelkopf und Felderkopf, im Norden die Ammergauer Alpen, im Osten das Loisachtal und das Estergebirge. Als wir dort oben auf dem Gipfel bei einer Rast die Aussicht genossen und ich dieses riesige Wettersteinmassiv vor mir sah, kamen viel Emotionen hoch. Ich konnte es beinahe nicht fassen, das wir dieses Massiv erst vor 4 Wochen beinahe ganz umrundet hatten, aus eigener Kraft, rein mit unseren Beinen. Das Finish beim ZST XL und überhaupt dieser ganze Tag ist immer noch nicht ganz verarbeitet 😉

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Kramerspitz(Vordergrund) und Zugspitze (Hintergrund)

Kramerspitz (Vordergrund) und Zugspitze (Hintergrund)

Brünstelkopf (Vordergrund) und Felderkopf (Hintergrund)

Brünstelkopf (Vordergrund) und Felderkopf (links hinten)

Notkarspitze

Notkarspitze

Loisachtal und Estergebirge

Loisachtal und Estergebirge

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Bis dorthin war „ois easy“. Dann begann der Adventure part of the day. Zuerst der Abstieg vom Brünstelkopf und im weiteren Verlauf der Rückweg am Nordhang des Reschberg in Richtung Oberau. Warum sich das Ganze als recht abenteuerlich heraus stellte, erklären am besten diese zwei Bilder:

Auf der (wohl etwas veralteten) Topokarte ist ein direkter Abstieg vom Brünstelkopf zum Hasenjöchl und ein Wanderweg oberhalb des Gießenbachtales am Nordhang des Reschberg nach Oberau eingezeichnet (linkes Bild). Beide Wege gibt es vor Ort jedoch nur noch bedingt und auf openstreetmap (rechtes Bild) sogar gar nicht mehr bzw der Pfad nach Oberau hört einfach auf. Der Abzweig oben am Brünstelkopf war mit einem Schild gekennzeichnet, danach fehlten aber jegliche Markierungen und man war mehr oder weniger weglos unterwegs. Dabei verfransten wir uns etwas und stiegen im weiteren Verlauf über eine meist latschenfreie steile Grasrinne bis zum Wanderweg unterhalb des Hasenjöchl ab. Die Richtung hatte gepasst und so fanden wir uns auf dem Wanderweg wieder. Dann folgten wir an der Gießenbach-Diensthütte weiter der Beschilderung nach Ettal/ Oberau auf einem wirklich schönen Trail. Der Abzweig nach Ettal und der Weg nach Oberau waren markiert und abermals mit Richtungspfeilen, diesmal auf Bäume gemalt, gekennzeichnet. Der Trail wurde immer handschmaler und wir kamen durch einen Baumfriedhof. Hier muss wohl in den vergangen Wintern eine Lawine abgegangen sein und seit dem wird der Weg so gut wie gar nicht mehr begangen. Die Markierungen waren vorhanden, jedoch mussten viele der liegenden Bäume an diesem recht steilen Hang umgangen werden. Danach war öfters Wegfindung gefragt. Etwas Weginstandhaltung gab es noch: eingesägte Stufen an liegenden Baumstämmen. Irgendwann wurde der Weg wieder breiter und führte uns nach Oberau 🙂

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Hier sollte man einen großen Bogen drumrum machen: Riesenbärenklau - sehr übles Kraut

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