Molto bene: Benediktenwand

Gestern waren wir das erste Mal für dieses Jahr in den Alpen. Genauer gesagt, in den Bavarian Pre-Alps, einheimisch Münchner Hausberge genannt. Der Plan: von Lenggries auf das Brauneck, die Latschenköpfe, die Achselköpfe und die Benediktenwand trailrennerisch zu überschreiten und danach nach Kochel am See hinab zu laufen. Da aber immer das Gelände die Art und Weise der Fortbewegung vorgibt, wurde aus den absolvierten 25k und 1500HM eine bunte Mischung aus Trailrunning, Forstweghatscherei und Bergsteigen, gespickt mit nicht wenigen Passagen leichter Kletterei im Schwierigkeitsgrad I.

Auch unseren Endpunkt mussten wir von Kochel am See nach Benediktbeuren verlegen, da die Zeit uns etwas im Nacken hing und ich auf gar keinen Fall meinen Zug zurück von München nach Hause verpassen durfte. Zumindest duschen und essen mussten noch zwischen der Rückkehr aus den Bergen und der Abfahrt nach Hause rein passen. Der optimale Tag für solch Unternehmungen ist für uns der Samstag. Dazu braucht es aber viel Glück und uns wohl gesinnte Umstände, das eben genau an diesem einen jenen Samstag, an dem wir dann gerade in München sind, das Wetter passt, wir beide gesund sind und kein Wintereinbruch in den letzten Tagen vorher statt fand oder sonstige Termine anstehen. Es kam diese Woche, wie es kommen musste: jeden Tag checkte ich die Webcams der Gegend, bis in die Mitte der Woche hinein war nur grau zu sehen. Egal in welchen Bereichen der Bayrischen Alpen ich schaute, welche für uns mit der Bahn erreichbar sind, wurde nur ein Einheitsgrau der Webcams gesendet. Dann, Donnerstag und Freitag, wurde das Wetter immer besser, der Rest Schnee des letzten Wintereinbruchs welcher vom Regen verschont blieb, schmolz schnell dahin und die Sonne strahlte. Meine Hoffnung und Vorfreude auf den ersten Tag des Jahres in den Alpen wuchs und wuchs und war beinahe nicht mehr zu bändigen. Unsere Genesung war, genauso wie das schöne Wetter, auf dem Vormarsch und gen Ende der Woche hatte jede von uns ihren Infekt endlich überwunden und bereits die ersten paar Läufe wieder in den Beinen.

Die Wettervorhersage für Samstag war dann nicht so dolle (Regen über den Mittag und Nachmittag), die für Sonntag dafür umso besser. Wenn ich schon extra in die Alpen fahre, dann möchte ich auch halbwegs gutes Wetter haben mit Ausblick-Garantie. Hie und da ein wenig wolkenverhangen macht mir nix aus, aber im Dauernebel oder gar -Regen laufe ich dann doch lieber wenn dann auf der Alb oder an der Isar und nicht in den Alpen auf unbekanntem Terrain. Immerhin schlägt die Fahrt mit der Bahn für zwei Personen mit €40 zu Buche und da will ich dann schon ein bißchen was von den Bergen sehen, besonders wenn es das erste Mal im Jahr ist.

Aus oben genannten Gründen fiel die Wahl auf Sonntag. Wegen der abendlichen Heimfahrt nahmen wir die erste BOB (Bayerische Oberlandbahn), welche gen Lenggries fuhr, Abfahrt München Hbf um 06.05 Uhr. Ich stehe dazu, ich empfinde es schon ganz schön happig, Sonntag morgens um 04.00 Uhr bereits das Klingeln des Weckers zu vernehmen und aufzustehen. Aber spätestens wenn wir dann gen U-Bahn losgehen, weiß ich, das sich das frühe Aufstehen lohnt und wir mit einem tollen Tag belohnt werden. Schlafen kann man auch wann anders 😉

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Pünktlich und trotz Schienenersatzverkehrs zwischen Holzkirchen und Schaftlach waren wir bereits vor halb acht in Lenggries. Ein paar wenige Leute waren auf den Beinen und auf dem Weg zum Brötchen holen. Wanderer oder sonstiges Bergsportvolk trafen wir erst im Aufstieg zum Brauneck. Zwei Trailrunner erklommen den Anstieg zum Brauneck laufend, der hauptsächlich über einen Forstweg mit gefühlt vertikalen Rampen sich nach oben schlängelt. Wir gingen zügig voran, nutzten jede Trailmöglichkeit zur Abwechslung die sich uns bot und waren nur wenig langsamer als die Beiden. Erstaunlich gut lief es für dass, das wir das erste Mal alpines Terrain unter den Füßen hatten. Alpine Anstiege sind für mich immer etwas gewöhnungsbedürftig am Anfang der Saison. Gestern gab es keine Spur von Gewöhnungsbedarf. Es lief gleich von Anfang an gut. Auch mit dem technisch noch ungewohnten Untergrund kam ich bis auf eine kleine Ausnahme (dazu später mehr) sehr gut klar. Bleibt für mich zu hoffen, das der Knoten bereits geplatzt ist und sich die Eingewöhnungsphase nicht auf den ZST XL in drei Wochen verschiebt…

Ich konnte mein Glück kaum fassen. YES YES YES!!!! Endlich in den Alpen, endlich ihre Schönheit reell und nicht nur durch Bilder sehen zu können, endlich wieder ihren Duft einatmen. Ich war überwältigt und freute mich wie ein kleines Kind. Grinsen bis zu den Ohren und noch darüber hinaus (mich wundert´s heute, das ich in meinen Wangen keinen Muskelkater habe 😉 ). Geil geil geil, ich liebe sie einfach, die schönen Alpen. Ich freute mich so sehr, das mir diese verdammi steilen Forstweg-Rampen nichts ausmachen. Im Laufe der Saison komme ich wieder unweigerlich an den Punkt, solch Kackwege nur so schnell wie möglich hinter mich zu bringen. Das geht dann halbwegs erträglich nur noch mit Musik in den Ohren. Irgendwie muss ich mir diese Anstiege immer schön denken, sonst werden sie schwer, schwer, schwer. Davon erlebte ich gestern jedoch nicht mal einen Hauch von, im Gegenteil, ich genoß sie.

Nach 1,5 Std waren wir am Brauneck. Nicht schlecht, knapp 800HM auf gute 3k verteilt in 1h aufgestiegen, damit waren wir mehr als zufrieden – zumal wir nicht mal voll Gas gegeben hatten. Am Brauneck hatten wir dann das erste Mal den Blick auf die Ü2000er der Alpen.

Von dort aus ging es dann Richtung (Vorderen)Latschenkopf, wunderschöne Trails mit tollen Ausblicken. Am ersten Gipfel, dem Vorderen Latschenkopf, trafen wir die beiden Trailrunner die so fleißig und kontinuierlich in kleinen Schritten den Anstieg zum Brauneck gelaufen sind. Fachsimpelei und Smalltalk unter Gleichgesinnten. Auf dem Latschenkopf verabschiedeten wir uns dann, denn für uns ging es Richtung Benediktenwand weiter während die Beiden wieder runter nach Lenggries sind.

Bis zum Latschenkopf waren wir insgesamt knapp 2,5h und gute 8k unterwegs. Der Abstieg vom Latschenkopf ließ bereits erahnen – ohne das wir es wußten – was die nächsten 3k auf uns warten würde: ein ständiges Auf und ab, laufen nur an sehr wenigen und kurzen Stellen möglich. Für die weiteren 3k bis zum Gipfel der Benediktenwand benötigten wir geschlagene 2h. Jeden Achselkopf (wieviele es wirklich sind – ich habe nicht mitgezählt) mussten wir komplett übersteigen. Unser Vorankommen war mit jeder Menge Arbeit verbunden. Höchste Konzentration, besonders bei den Abstiegen. Oft waren die Tritte so tief nach unten, das mir mit meiner Körpergröße nichts anderes übrig blieb, als mich auf meinen Hosenboden zu setzen und nach unten zu steigen. Nichtsdestotrotz machte die Tour über die Achselköpfe und auf die Benediktenwand wahnsinnig Spaß. Die leichten Klettereien waren genau noch in dem Grad, der gut für uns beide handelbar war und Unsicherheiten oder aufkommende Angst überhaupt kein Thema waren. Allerdings würde ich da bei Nebel oder gar Regen auf gar keinen Fall drüber müssen. Nach 4,5h on Tour und knapp 12k hatten wir dann den Gipfel der Benediktenwand erreicht. Da war ganz schön was los, hätte ich nicht gedacht. Die meisten Wanderer erklimmen die Benediktenwand über Benediktbeuren und Tutzinger Hütte oder von der Jachenau aus. Den Weg den wir gewählt hatten gehen wohl die wenigsten Gipfelaspiranten, zumal er auch der Längste ist und ohne Lauferei sicherlich mit 9-10h zu Buche schlägt.

Allzu lange hielten wir uns auf dem Gipfel nicht auf. Der Blick nach Norden war wolkenverhangen und man sah nichts. Der Blick nach Osten, Süden und Westen war dafür ein reiner Augenschmauss. Nach dem wir unseren Hunger gestillt hatten, machten wir uns dann schon in den Abstieg Richtung Kochel. Dann kamen wir an einen Abzweig, dort war die Zeitangabe für Benediktbeuren mit 2,5h und die für Kochel mit 3,5h angegeben. Wir mussten auf jeden Fall die Bahn spätestens um 14.45 Uhr ab Kochel bzw. 14.50 Uhr ab Benediktbeuren nach München bekommen, sonst bliebe mir keine Zeit mehr für eine Dusche und dem Wichtigsten, nämlich essen. Nun war es jedoch mittlerweile schon halb eins und Kochel hätte bedeutet, aus 3,5h Wegzeit 2h zu machen – das war uns dann doch etwas zu heikel, ob das gut gehen würde. Nach 5h in alpinem Gelände waren wir auch nicht mehr ganz so fit. Zumal auf dieser Variante noch einiges an auf und ab über den Rabenkopf bevor stand. Also sind wir Richtung Benediktbeuren abgestiegen, über die Tutzinger Hütte und das Lainbachtal. Im Abstieg zur Tutzinger Hütte ging plötzlich alles ganz schnell. So schnell, das mein Körper nicht mal mehr dazu kam, Adrenalin in hoher Dosis auszuschütten. Mit einem meiner beiden Schuhe (ich weiß nicht mal mehr welcher es war) bin ich an irgendwas (Stein oder Wurzel) hängen geblieben, direkt gefallen und dann statt auf den Trail gleich mal daneben und talwärts (im zum Glück nicht steilsten Abschnitt) in die Latschenkiefern hinein. Leider stand da nur eine junge Latschenkiefer, die nicht stark genug war, meinen Sturz abzufangen. Ich überrollte sie schlichtweg. In meinem Kopf war nur noch ein Gedanke: FESTHALTEN! Meine Hände griffen automatisch und reflexartig einfach nach allem, was sie zu Fassen bekamen. Latschenkiefern. Huiuiuiui… alles gut gegangen, ich hatte auch zum Glück nichts verloren was hätte aus den Taschen meines Rucksacks fliegen können. Sogar die Brille blieb auf dem Kopf 🙂 All Adrenalin wurde wohl in Katja ausgeschüttet, sie hatte eine riesen Schreck bekommen. Verständlich, mir geht es nicht anders wenn Katja Ihre Abflüge macht… Ich hatte lediglich ein paar kleine Schrammen und blaue Flecken, aber nichts dramatisches und nur sichtbar, wenn man meine Beine genauer anschaut. Is einfach nix, wenn man auch nur einen kleinen Zeitdruck in sich trägt. Der Rest des Abstieges verlief dann ohne Probleme, wir hatten aber der Sicherheit wegen einen Gang raus genommen. Von der Tutzinger Hütte ging dann nochmal ein schöner Downhill-Waldtrail ein paar hundert Höhenmeter nach unten. Dann war Forstweghatscherei angesagt, die ich zumindest anfangs sehr begrüßte. Mein Hirn brauchte unbedingt mal eine Pause, ein wenig Erholung von der stetig geforderten Konzentration. Der Lainbach brachte dann in der unteren Hälfte Abwechslung ins Geschehen um uns herum und machte die im Tal herrschende Wärme erträglicher. Sobald wir aus dem Wald kamen, waren wir auch schon in Benediktbeuren. Unsere Trinkvorräte waren mittlerweile doch ziemlich zur Neige gegangen und wir hielten im Ort Ausschau nach einem Kiosk oder dergleichen. Gefunden haben wir dann eine Eisdiele, die mit wirklich sehr leckeren Eis aufwartete. Kurz nach 14.00 Uhr waren wir dort. Genügend Zeit, uns ein großes Eis zu gönnen und nicht zur Bahn hetzen zu müssen. Denn nun waren wir platt 🙂

Eine tolle Tour, die jedoch nur teilweise trailrennerisch geeignet ist. Dafür eine wunderschön abenteuerliche Berg-Trailrun-Lauftour, die uns einen Riesenspaß bereitet hat. Wer gerne in den Bergen ist und dabei nicht auf reines Trailrunning pocht, dem sei diese Tour ans Herz gelegt. Da die Tour keine Rundtour ist, empfiehlt sich die Anreise mit der Bahn. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind natürlich Voraussetzung 😉

25k mit 1500HM im Auf- sowie Abstieg.

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2 Kommentare

  1. Hallo Ihr Zwei!
    Wie ich Eurem Bericht entnommen habe, hatet Ihr einen schönen aber auch anstrengenden Bergtag. Die Form scheint zu stimmen, trotz der leichten kränkelei. Geduld zahlt sich meistens aus.
    Bis dann Mama und Papa

    1. Hallo Ihr Lieben,

      na ja, im Angesicht meines Muskelkaters in den Oberschenkeln hab ich schon etwas an Form für den Berg verloren 😉
      Von der Kondition her hat es gepasst.

      Liebe Grüße!

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