Das neue Helferleintool – ein „must have“ für alle Läufer

Mein Körper hat mich mal wieder etwas ausgetrickst – oder besser gesagt – er hat sich das geholt, was er wohl dringend braucht aber so gut wie nie bekommt: Eine Laufpause – unfreiwillig freiwillig habe ich mich ergeben. Letzten Sonntag meldete sich auf den letzten Kilometern eines mittellangen Laufes mein linkes unteres Schienbein. Erst zarte Schmerzen, welche jedoch sehr schnell ganz fies wurden – so fies schmerzend, das ich heil froh war, endlich am Auto angekommen zu sein. Im Winter einen langen Fußmarsch wegen einer Verletzung in Kauf nehmen zu müssen ist nicht gerade prickelnd. Zwar schont man die gereizte Sehne/ das Gelenk/ den Muskel oder whatever einem Probleme bereitet, jedoch steigt die Wahrscheinlichkeit, sich eine ordentliche Erkältung oder einen grippalen Infekt einzufangen exorbitant. Also biss ich auf die Zähne, probierte mal Vorfuß-, mal Mittelfuß- oder Fersenlaufen aus – nichts linderte die Schmerzen. Schnell war mir klar, das damit nicht zu spaßen und schon gar nicht zum experimentieren ist. Ansonsten ist schneller Schuß mit Lustig als einem lieb und teuer ist. Mit der Reizung der rechten Plantarsehne letztes Jahr im Sommer habe ich experimentiert und Glück gehabt. Die Schmerzen waren über zwei Monate präsent, bei jedem Lauf. Diese wurden jedoch nicht „dominant“ sondern dümpelten dumpf mal mehr und mal weniger umher. Ab und an ein ziehen im Ruhezustand. Nichts worüber ich mir Sorgen machte. Jedoch jederzeit innerlich knirschend bereit, Pause einzulegen. Die Plantarsehne beruhigte sich wieder (viel Massage, Blackroll und Kinesiotape), es blieb bei einem Zipperlein welches nun schon seit geraumer Zeit auskuriert ist.

Anders am Sonntag. Mir war sofort klar, das mit einer aufkeimenden Schienbein-Reizung (Shin Splints) keine Experimente gemacht werden sollten. Im Gegenteil, sofortiges heilungsförderndes Handeln war angesagt. Ich habe eine gute Basis in der Grundausdauer und mache mir deshalb keine Sorgen wegen der anstehenden Wettkämpfe. Aber es geht im April mit dem T40 des MIUT los und da warten schließlich satte 3000 negative Höhenmeter auf mich. Dazu braucht´s gesunde Schienbeine…also nichts, aber auch rein gar nichts, riskieren. Lieber gleich für kurze Zeit pausieren als ignorierend und nicht wahrhaben wollend in Schmerzen hinein zu laufen um dann eine gefühlte Ewigkeit zwangspausieren zu müssen. Dieses Verhaltensmuster (war viele Jahre hinweg mein treuer Begleiter 😉 )habe ich zum Glück ablegen können. Auch bei einer aufkommenden Erkältung mache ich höchstens noch eineTtrainingseinheit (Prinzip „Hopp oder Topp“) – und wenn sich danach die Symptome nicht aufgelöst haben, gönne ich meinem Körper lieber die Ruhe, die er zur Bekämpfung der Virenattacke benötigt als ihn zusätzlich zu stressen. Genesen tut man mit Ruhe wesentlich schneller als mit Stress.

Ich nehme äusserst ungern entzündungshemmende Schmerzmittel, nur wenn ich mich gar nicht mehr bewegen kann. Das fiel schon mal als Therapie raus. Wirklich helfen – also im Sinne von Ausheilen – tut das Zeug eh nicht. Belastet nur unnötig die Organe. Ich setze lieber auf manuelle Therapie die ich selber machen kann und nicht *X*- Physiotherapie-Termine, welche nicht unbeträchtlich den Geldbeutel schmälern und noch dazu Zeit rauben ohne Ende. Katja ist vor einigen Wochen im Trailforum auf einem Thread über Buchtipps auf Kelly Starrett´s „Ready to run“ gestoßen. Er beschreibt unter anderem die Wirkungsweise eines speziellen Gummibandes. Angesiedelt ist es in der Functional Fitness für das Mobility training.

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Der Sinn des Ganzen: Die gereizte/ schmerzende Gegend des Bewegungsapparates wird für ein paar Minuten so stark komprimiert bzw. fast abgeschnürt, das es zuerst zu einem Blutstau kommt. Dann löst man das Band und das Blut schießt wieder durch die Bahnen – der Effekt: Ablagerungen (also der ganze Müll der sich durch die Entzündung ansammelt und diese fördert bzw die Schmerzen verursacht) wird ratzfatz „ausgespült“. Diese beschriebene Wirkungsweise erschien uns sehr plausibel und logisch. Katja hatte sich als Versuchskaninchen zur Verfügung gestellt und das Band durch einen aufgeschnittenen Fahrradschlauch ersetzt (kann alternativ benutzt werden), an ihren immer wieder muckernden Knien getestet, für Gut befunden und daraufhin im Internet bestellt. Gleich zwei Stück, eines für München und eines für Nürtingen. Diese Woche war dann die Gelegenheit für mich da, das neue Tool zu testen. Meine Vorgehensweise war dann folgende: Um eine stetige leichte Massage des Schienbeins zu gewährleisten, gab´s als Basis Kinesiotape (Das Tragen von Calfs hatte sich ziemlich schnell als unproduktiv und schmerzverursachend erwiesen und wurde gleich wieder verworfen):

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Dann habe ich dreimal am Tag den Schmerzpunkt entweder mit der Blackroll bearbeitet oder mit den Daumen massiert (um die Ablagerungen zu lösen) und danach dann das Band angelegt

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2-3 Minuten lang und solange durch die Wohnung gegangen und mitunter locker gelaufen, bis sich erste Anzeichen der Taubheit im Fuß abzeichneten. Dann habe ich das Band gelöst und sofort gespürt, wie das Blut durch die Bahnen regelrecht katapultiert wird. Ein zuerst komisches, aber dann angenehmes Gefühl. So wurden die Schmerzen nun Tag für Tag weniger – obwohl ich mind. 60% meiner Arbeitszeit mit Gehen verbringe und ich mir am Anfang der Woche noch Sorgen machte, das diese Tatsache möglicherweise alles noch verschlimmern könnte. Am Montag konnte ich mich beim Schwimmen nach der Rollwende im Becken nur mit dem rechten Fuß abstoßen, links tat sogar dabei das Schienbein weh. Gestern war ein Abstoßen am Beckenrand wieder mit beiden Beinen möglich, ohne Schmerzen. Seit heute kann ich meinen Fuß wieder in alle Himmelsrichtungen bewegen, ohne einen Reiz im Schienbein zu spüren. Auch beim Massieren des Schienbeins ist kein Schmerz mehr da. Morgen, vielleicht aber auch erst übermorgen (um ganz sicher zu gehen) werde ich ein erstes kleines sanftes Läufchen wieder wagen. Auf einen Tag Pause mehr oder weniger kommt es nicht an, wichtiger ist mir die Ausheilung der Entzündung.

Das Band hat sich nun einen festen Platz neben Kinesiotape und Blackroll in meiner Regenerations- und Selbstheilungs-Trickkiste auf jeden Fall gesichert! Sehr empfehlenswert für Sportler im Allgemeinen und Läufer im Besonderen. Super ist auch, das es in jede Reisetasche/Handtasche/Rucksack passt wofür die Blackroll nun wahrlich (leider) nicht prädestiniert ist 🙂

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Größenvergleich: Gummiband, Blackroll und der kleine Blackroll-Ball

 

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12 Kommentare

  1. Das klingt ja spannend. Aber erst einmal gute Besserung.
    Ich hatte das immer mal gesehen und mich gefragt, wie es wohl funktioniert. Tape habe ich auch immer in allen möglichen Farben im Haus. Wie hast du bei der Plantarreizung getaped?
    Übrigens haben wir den gleichen blauen Zeh am lnken Fuß. Den trag ich seit Mai letzten Jahres rum und es wird nicht besser. Nach jedem Lauf ist er wieder neu in blau getaucht (unabhängig vom Schuh)

  2. Hallo, also Blackroll hat sich bei mir auch als super Helfer erwiesen, das mit dem abschnüren und denn „fluten“ der Venen sehe ich eher skeptisch. Bin zwar kein Arzt aber das kann nicht gesund sein! Aber wenns hilft ist es natürlich erlaubt!
    Sportliche Grüße aus Berlin

    1. Hallo Chris,

      ich gebe zu, es klingt ein wenig barbarisch – aber für mich macht es wirklich Sinn. Komplett abgeschnürt wird ja nicht. Friktionsmassagen plus viel trinken haben denselben – jedoch verlangsamten – Effekt. Alles miteinander kombiniert (erst massieren, dann das Flossing Band) plus Blackroll plus viel Wasser trinken beschleunigt mMn die Heilung da die Ablagerungen schnellstmöglich und bestmöglich ausgeschwemmt werden. Mir persönlich ist es wichtig, soweit wie möglich auf medikamentöse Behandlung verzichten zu können. Letztendlich sind wir ja alle Individuen und was beim einen taugt kann beim anderen sich als Flop herausstellen. Mein Motto: Viele Methoden ausprobieren, und die, welche sich am effektivsten und nützlichsten erweisen, behalten und weiterführen 😉 Mein shin splint war nach einer Woche Laufpause und genannten Behandlung weg – ganz ohne Tabletten und Salben.

      1. eben drum ja, wichtig ist das es hilft!

        Btw. du hast hier nen schönen Blog, ich komm jetzt mal öfter vorbei wenn ich darf 😉
        LG

  3. Bin auch den bösen Shin Splints zum Opfer gefallen, und das in der heißen Phase meiner Vorbereitung für den Ultra Mallorca…das mit dem Band hört sich interessant an, hab mir auch gleich eins bestellt. Danke für den Tipp! Blackroll ist momentan auch mein treuer Begleiter…

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