Me, myself and the challenge – Chapter I: „Elon“

Freitag – ein Frühschicht-Freitag, das bedeutet Ich habe bereits um 11.30 Uhr Feierabend. Es ist wieder einer dieser verdammten Freitage, die sich durch Gipfelung des Stresses und Hektik der gesamten Arbeitswoche auszeichnen…

Egal, es ist vorbei und das Wochenende steht vor der Tür. Ich habe die erneuerte Annäherung an meine mir eigens auferlegte Challenge für diesen Mittag vorgenommen: Die „Neckarine vs. Jusi 10times Up&Down“-Challenge. Vor einem Jahr habe ich sie für mich ins Leben gerufen, jedoch ohne bestimmte Zeitvorgabe bis wann ich das geschafft haben will – ich will es nur unbedingt irgendwann mal schaffen.

Feierabend – nix wie rauf auf´s Fahrrad und ab nach Hause, umziehen, Wechselklamotten, Obst und heiße Brühe einpacken und schon kann´s losgehen. Auf der Fahrt nach Kohlberg wird im Radio gemeldet: „Wir haben eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes für Baden-Württemberg, Orkantief Elon ist da und wartet mit jede Menge Wind auf“. Im Neckartal merke ich nicht allzu viel davon und am Parkplatz in der Nähe des Jusi ist auch nicht viel zu spüren. Ich parke nie direkt unterhalb des Jusi, sondern etwa 1km weiter weg damit ich mich ein wenig einlaufen kann. Anfang Juni letzten Jahres war ich das letzte Mal vor Ort um mein „pure Up&Downhill“-Training zu absolvieren. Entsprechend bin ich etwas verunsichert, weil ich meine momentane Leistung diesbezüglich nicht richtig einschätzen kann. Also beschließe ich, mich erstmal an die Challenge heranzutasten bevor ich versuche weiter zu kommen. 5x Up&Down müsste eigentlich drin sein und dann mal sehen ob noch mehr geht…..

Das erste Mal hoch ist die Hölle. Mein Puls bewegt sich dauerhaft in Sphären, in denen er die letzten Monate immer nur kurz zu Gast war. Dazu nimmt der Wind mit steigender Höhe zuerst stürmische Gestalt an und an diversen exponierten Stellen bin ich mitten in Orkanböen. Erste Gedanken des Abbruchs spazieren durch meinen Kopf….Mal erwischen mich die Böen von hinten und tragen mich den Berg hinauf – saukomisches Gefühl. Dann kommen sie direkt von vorne und ich laufe gegen eine Wand, muss alle Kraft aufbieten das ich überhaupt noch vorwärts komme. Die seitlichen Böen hauen mir die Beine weg und ich muss mich in Seiten-Steillage legen um nicht vom Hang gepustet zu werden….Krasse Sch**ße!!! Im oberen Drittel liegen noch Schnee- und Eisreste auf dem Trail, der Gipfelanstieg ist rutschig, zieht nochmal den letzten Rest Saft aus den Beinen, die Lunge brennt und mein Puls überschlägt sich beinahe. Dann, endlich, zum ersten Mal oben! Hart, hart, hart ist das an diesem Tag. Ich hadere mit mir, ob ich nun weitermachen soll oder ob ich oben bleiben soll um eine schöne Trailrunde zu drehen? Ich entscheide mich für ersteres, denn deswegen bin ich ja schließlich hergekommen. Wegen meiner Challenge. Den Jusi 10x hintereinander in die Knie zu zwingen ohne Gehpassagen. So ist die selbst auferlegte Regel. 7x ist mein bisheriger Rekord, aufgestellt im März letzten Jahres und genau den will ich in den nächsten Wochen einstellen um dann auch irgendwann mal das Ziel zu erreichen.

Ein paar Schluck Wasser am Gipfel und schon stürze ich mich in den Downhill. Downhill? Davon ist nichts zu spüren, die Orkanböen kommen nun vornehmlich von vorne und ich muss mich voll entgegen werfen um nicht stehen zu bleiben. Tsssss……also unter diesen Umständen wird das ein harter Brocken.

Ich bleibe jedoch dran und habe einen Trost: der Wind wechselt wenigstens nicht ständig die Richtung, er bläst konstant von Westen her und beim dritten Mal aufwärts kenne ich seine Konstante. Ich weiß nun genau, an welcher Stelle ich getragen, beinahe weggepustet oder gegen eine Wand laufen werde. Ich kann mich mental darauf einstellen. Schon besser, geht doch. Das Wissen, das wenn ich das nächste Mal wieder hier am Jusi bin, werden andere Bedingungen herrschen, gibt mir Zuversicht. Ob es dann leichter oder schwerer sein wird steht in den Sternen. Die Wahrscheinlichkeit spricht jedoch für „leichter“.

Als ich zum fünften Mal oben am Gipfel stehe macht sich ein Hauch des „Runner´s High“ in mir breit. Jetzt noch einmal mehr hoch und ich bin an diesem Tag mehr als zufrieden mit mir. Ich schaffe es – die Oberschenkel brennen mittlerweile mächtig und ich spüre, das ich Energienachschub benötige. Oben knabbere ich genüsslich an meinem Riegel, genieße den aufkommenden Stolz über mein Tagwerk und in mir keimt die Erkenntnis auf, das ich für das Gelingen meiner Challenge noch eine „Nahrungsaufnahme“-Taktik brauche. 10x dort hoch ohne was zwischen durch zu essen werde ich nie und nimmer schaffen. Die Taktik für das nächste Mal ist schnell gefunden: spätestens ab der vierten Gipfelankunft werde ich je einen Bissen Riegel und ein paar Schluck Wasser dazu zu mir nehmen. Dann hat der Magen den Downhill über Zeit, zu verdauen und zu verarbeiten bis der nächste Uphill wieder kommt.

Ein letztes Mal werfe ich mich Elon entgegen und komme wohlgesonnen und erschöpft am Auto an. Die Ambit sagt mir, das ich heute einen PTE von 3,8 habe – gefühlt war er über 4, deshalb bin ich ein wenig überrascht. Schon lange hatte ich nicht mehr so einen hohen PTE.

6U&DJusi

Am Abend sitze ich völlig geplättet im Zug nach München, es regnet mittlerweile heftig. Wenigstens blieb mir das am Mittag erspart 🙂

Das war gestern. Heute ist Familientreffen angesagt. Das Trail-Magazin kommt mit dem Revierguide nach München und wir werden mit vielen Gleichgesinnten, Freunden und Bekannten die Isartrails rocken. Unsere Hometrails 🙂

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5 Kommentare

  1. Ich habe so eine mentale Abneigung gegen Bergintervalle (auch wenn das hier bei dir ja noch etwas mehr als ein „Intervall“ ist). Ist wie bei Rundenläufen … das reizt mich irgendwie so gar nicht und ich habe bislang nicht die Disziplin gehabt mich da richtig mit zu befassen.

    Mangels Zeit für einen langen Lauf in dieser Woche werde ich es aber nun wohl endlich mal angehen. Eine steile Strecke (wenn auch Asphalt) habe ich nicht weit weg von der Haustür.

    1. „Richtige“ Bergintervalle mache ich an anderen (kürzeren) Strecken, ist jetzt auch nicht so ganz mein Ding. Deshalb mache ich das auch nur wenn ich Lust darauf habe. Der Jusi ist eher so mein Schicksalsberg 😉 und er eignet sich für mich hervorragend für das lange Bergauflaufen (also mehr zum Grundlagen schaffen) und der alpine Charakter des Trails eignet sich sehr gut um für die Alpen zu üben.

      Meine Bergintervall-Strecken, die ich in unmittelbarer Wohnortnähe habe sind auch Asphalt und Schotter. Nur in meiner zweiten Heimat, München, gibt es die „Optima“ auf Trail 🙂

      Wer weiß, vllt findest Du ja auch Gefallen an Deinem Vorhaben für diese Woche, sowas kann schon durchaus auch Spaß machen und holt einen aus der Komfortzone raus. Ich wünsche Dir das Du Spaß dabei haben wirst. einfach mal was anderes probieren ist doch reizvoll 🙂

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