Alb-Trilogie

Seit meinen Anfängen beim Trailrunning geistern verschiedene Langstrecken in meiner Heimat durch meinen Kopf. Tagtäglich die blaue Mauer vor Augen, will ich sie mir nach und nach erlaufen. Angefangen habe ich vor drei Jahren mit einem Berg, dann kombinierte ich zwei Berge miteinander und gestern war es zum ersten Mal soweit, das ich drei Berge in Reihe abgelaufen bin:

Der Hohenneuffen, die Bassgeige und den Teckberg in einem Rundkurs vom Tiefenbachtal bei Nürtingen aus 

So viele Ideen wie ich für eigene Projekte habe, so wenig Zeit dazu habe ich diese in die Praxis umzuwandeln. Das ganze Jahr tröstete ich mich mit „aufgeschoben ist nicht aufgehoben“ hinweg. Da meine Ideen aber irgendwie und unweigerlich mit „lang“ behaftet sind, fehlt mir die Möglichkeit, diese Ideen mal eben bei einem Läufchen unterhalb der Woche zu verwirklichen. An den Wochenenden war oft auch keine Zeit, da ich entweder bereits in der Vorbereitung auf den ZST oder Karwendellauf war, oder in der Regenerationsphase nach diesen Kloppern oder in München oder eben anderweitig verplant. Vom Frühsommer bis Herbst haben die Alpen den Vorrang denn auf der Alb kann ich so gut wie fast ganzjährig trailrennen. Eines dieser Eigenprojekte wollte ich aber dieses Jahr auf jeden Fall noch in Angriff nehmen: die Alb-Trilogie – ein Marathon. Eine Strecke, die mit reicher Abwechslung aufwartet: Forstwege, Wiesenwege, natürlich Trails, Asphalt, Wald, Wiesen, Felder, Burgruinen und Ortschaften. Der Albtrauf mit jederlei Gelegenheiten, die Aussicht zu genießen.

Gestartet sind wir in einer dicken Nebelsuppe an unserem Stammparkplatz im Tiefenbachtal. Es war kalt, es war feucht – eine wunderbare Luft, Medizin für die Schleimhäute. Mystische Stimmung im Wald. Trotz und wegen der Suppe ein schönes, gedämpftes Farbenspiel. Das rostbraune Laub der Buchen auf dem Boden, die gelben Lärchen, dunkelgrüne Nadelbäume und vereinzelt noch gelbes Laub an niedrigen Bäumen. Überall Spinnennetze, die wie Segel in den kleinsten Ästchen der kahlen Bäume und verwelkten Stauden hängen.

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Keine Menschenseele weit und breit ausser uns. Mit jedem Höhenmeter, den wir im Tiefenbachtal erklimmen wird klar: ein sonnenreicher Tag steht uns noch bevor, vereinzelt ist schon blauer Himmel über uns erkennbar und die hohen Bäume strahlen in den Sonnenstrahlen… in jeder Senke wartet wieder die dichte Suppe auf uns. Auf den Feldern kurz vor Balzholz, dort wo sich die Alb direkt vor einem erhebt, laufen wir durch ein Nichts. Die Welt hört rundum jenseits der 20m Sichtweite auf…trotzdem können wir den blauen Himmel über uns erkennen

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Im Laufe des Aufstiegs zum Hohenneuffen haben wir die Suppe unter uns gelassen, es wird deutlich wärmer und die Sonne dominiert

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Die Stimmung auf dem Hohenneuffen liess mein Herz höher schlagen 😉

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Blick zur Bassgeige, das kleine Gipfele im Hintergrund ist die Burg Teck

 

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Nur kurz halten wir uns hier auf, wir haben erst das erste Drittel unseres heutigen Weges hinter uns. Weiter geht es auf dem HW1 rüber zur Bassgeige. Erst zum Beurener Fels, dann zum Brucker Fels

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Die Bassgeige

 

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HW1

 

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Beim Beurener Fels

 

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Richtung Brucker Fels

Am Brucker Fels angekommen, haben wir unseren letzten Berg und den dritten im Bunde vor Augen: den Teckberg mit der Burg Teck und der Gelbe Fels strahlt weithin sichtbar

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Um zum Teckberg zu gelangen, geht es erstmal hinunter ins Lenninger Tal, durch die Ortschaft Brucken hindurch und dann hoch zum Sattelbogen. Nach dem Abstieg vom Brucker Fels in Richtung Brucken hatten wir ein sehr krasses Erlebnis – ich weiß nicht wie man das nennt – auf jeden Fall war da so eine extreme Kalt/ Warmluft Grenze, die wie ein Schlag ins Gesicht war. Sofort hatte ich die Assoziation mich in einem Stephen King Roman zu befinden. Ich lief ein paar Meter vor Katja, die mich völlig verwundert ansah auf Grund meiner Reaktion. Deutlich sah ich ihr an was sie dachte :“was hat sie denn?“, „was ist los???“ Just eine Sekunde später durchbrach auch Katja diese Luftbarriere und ihre Reaktion war wohl ähnlich der meinen: Augen aufreissen, völlig verdattert dreinschauen und langsam im Bewußtsein verstehen, was da soeben geschah 🙂 Der Anstieg hoch zum Sattelbogen zog sich ganz schön und wir nutzten ihn, um zu essen und Sonne zu tanken. Fasst war uns zu warm und jede von uns wäre gerne nur in Short unterwegs gewesen 😉

Ab dem Sattelbogen hoch bis zur Burg Teck gibt es wunderschöne Trails und einen schönen Ausblick vom Gelben Fels. Dort tummelten sich Wanderer, Ausflügler, Kletterer und wir Trailies

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runter ins Lenninger Tal, hinten rechts der Bildmitte der Sattelbogen

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Irgendwie sahen die alle gleich aus 🙂

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Am Teckberg (HW1)

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Gelber Fels – Blick zur Bassgeige

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Gelber Fels – Blick ins Lenninger Tal

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Die Trailgirls unter all den anderen 😀

Auf der Burg Teck war mächtig was los. Eigentlich wollten wir uns dort eine Apfelschorle gönnen….die Schlange am Kiosk war aber zu lang für meine Geduld. Nachdem wir nach 10 Minuten Ansteherei dem Kiosk gefühlt nur minimalst näher kamen, gab ich auf. So dringlich wie im Sommer oft war die Gier nach Limo dann zum Glück nicht und wir waren uns schnell einig, das sich dieser Stopp nicht wirklich lohnt.

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Ein wenig die Aussicht genossen, den Rückweg von oben gecheckt und kurz am Sybillenloch vorbei geschaut. Das sieht von unten nach oben geschaut schon ein wenig spektakulär aus da die Burg genau auf diesen Felsen gebaut ist

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Blick nach Nordwesten: am anderen Ende des in der Mitte liegenden Waldstückes (Tiefenbachtal) steht unser Auto

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Blick nach Osten: Bildmitte die Limburg, rechts der Breitenstein

Jetzt ging es ein letztes Mal die Kante runter und auf den Weg zum Auto und damit nach Hause.

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Das Tiefenbachtal ist ein wirklich wunderschöner Wald…nur leider gibt es dort nur sehr sehr wenige Trails. Unser Rezept für angenehme Forstwegtraberei ist deshalb mit Musik. Die letzten Kilometer werden dann kurzweilig. Ein paar Gehpassagen mussten wir noch einlegen da Katja´s rechtes Knie nicht mehr so wollte. Hatte ich aber mal gar nichts dagegen 😉

Fazit: Eine Runde ganz nach meinem Geschmack. Ich mag Trails genauso wie Forstwege mit Musikberieselung und Ortschaften durchlaufen mit Häuser gucken. Im Vorfeld hatte ich ein wenig Bedenken ob die Terminwahl so ganz richtig war, denn ich hatte am Samstag Dienst auf Arbeit wegen Inventur, also eine 6-Tage-Arbeitswoche in den Knochen. Diese Bedenken zerstreuten sich jedoch schnell, ich fühlte mich fit und der Tag war einfach nur super klasse schön. Mental war dieser lange Lauf ein gefühltes verlängertes Wochenende. Heute war ich zwar ziemlich platt auf Arbeit, das lag aber mehr daran das ich in der Nacht nicht richtig schlafen konnte. Den Beinen geht es gut und ein immer wieder aufkommendes Grinsen in Erinnerung an gestern umspielt meine Gesichtsmimik. Yes, we did it!

Die Lust auf mehr wird mich hoffentlich in Zukunft meinen eigenen Projekten mehr Raum und Zeit geben lassen *g*

In diesem Sinne….to be continued 🙂

 

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8 Kommentare

  1. Hallo Ihr Zwei!
    Bei der Trilogie hat alles gepasst.
    Bin stolz auf Euch.
    Konnte die Stimmung am Sonntag auch geniesen, nur nicht so Intensiv wir Ihr.
    Bis Bald
    Papa

    1. Hallo Papa!

      ja, das war ein perfekter „outdoor“-Tag 🙂 Und…ein wenig stolz sind wir auf uns auch 😉

      Liebe Grüße, wir sehen uns morgen! Dann musst Du uns erzählen, was Du so erlebt hast, gell

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